Studie zum Strommarkt
Bürgermisstrauen könnte Smart Grids ausbremsen

Sechs von zehn Energieversorgern befürchten, dass Bedenken der Bürger, intelligente Energienetze könnten sie zum gläsernen Verbraucher machen und ihre persönlichen Daten missbraucht werden, den Ausbau eine solchen intelligenten Energienetzes (Smart Grid) bremsen werden. Die Versorger wollen deshalb handeln: 54 % planen bis 2012 Investitionen in die Datensicherheit und Betrugsprävention. Das ist das Ergebnis der Studie Branchenkompass 2010 Energieversorger, eines gemeinsamen Projekts des Beratungsunternehmenss Steria Mummert Consulting und des F.A.Z.-Instituts.

Die Sorge vor dem Datenmissbrauch könnte aber nicht nur den Netzaufbau bremsen, sondern damit auch die ehrgeizigen Klimaziele der Europäischen Union gefährden. Tatsächlich ist es mit Hilfe individueller Verbrauchsprofile künftig möglich, sowohl An- und Abwesenheiten als auch die Gewohnheiten der Verbraucher zu rekonstruieren. Persönliche und sachliche Lebensverhältnisse werden dabei zwangsläufig offengelegt. Kriminelle die sich in das Datennetz einhacken und anhand des Stromverbrauchs genau erkennen können könnten, zu welchen Zeiten die Bewohner eines Hauses abwesend sind, könnten dann gezielt gefahrlos einbrechen.

„Die Sensibilität der Verbraucher ist berechtigt“, warnt daher auch Norbert Neumann, Senior Executive Manager bei Steria Mummert Consulting. Er glaubt aber auch: „Grundsätzlich ist es technologisch möglich, entsprechende Sicherheitslösungen zu finden. Diese wurden ja auch in anderen Branchen, beispielsweise im Banken- und Telekommunikationsbereich, längst entwickelt. Es ist wichtig, dass die Versorger bereits jetzt – am Anfang dieser für die Branche neuen Herausforderungen – alle technischen und organisatorischen Voraussetzungen schaffen, um Sicherheitslücken zu schließen und somit konstruktive Antworten auf die Sorgen der Endverbraucher zu finden.“

So gilt es beispielsweise, sowohl unbefugten Personen innerhalb der Unternehmen als auch Zugriffsversuchen von außen den Zugang zu den Daten zu verwehren. Weil dies – ähnlich wie beim Online-Banking – ein permanenter Prozess ist, reiche es nicht, wenn ausschließlich der Datenschutzbeauftragte darüber wacht. Die Datensicherheit liege in der Verantwortung des gesamten Unternehmens – so die Experten der Studie – und die Geschäftsführungen haben Sorge dafür zu tragen, dass die entsprechenden Maßnahmen umgesetzt werden.

Gleichzeitig müssen die Versorger für Transparenz beim Kunden sorgen. Der Verbraucher hat ein Recht darauf, zu erfahren, wofür die gespeicherten Informationen verwendet werden. Und bei ihm sollte auch die Entscheidungsbefugnis darüber liegen, welche Daten in welchen Zeitabständen sein Heim verlassen – ob beispielsweise lediglich der allgemeine Verbrauch einmal monatlich erfasst wird oder der Versorger beziehungsweise ein anderer Dienstleister alle 15 Minuten sämtliche Daten jedes einzelnen Endgerätes erhält. Dabei gilt allerdings auch: Je mehr Daten für eine Bewertung durch Experten zur Verfügung stehen, desto größer sind die Chancen, Energieverbrauch und -kosten durch neue Tarife und gezielte Beratung für den Endkunden zu verringern.

Die Studie basiert auf einer im Januar und Februar 2010 vom Marktforschungsinstitut forsa durchgeführten Befragung von 100 Führungskräften aus den 100 größten Energieversorgungsunternehmen Deutschlands zu den Branchentrends sowie zu Strategien und Investitionszielen bis 2012.

(Steria Mummert / ml)