Kommentar
Akzeptieren die Deutschen mehr Solarstromförderung?

Ja, behauptet zumindest eine aktuelle Umfrage des Marktforschungsunternehmens TNS Emnid. Auftraggeber der Studie ist der Bundesverband Solarwirtschaft, der am Mittwoch per Pressekonferenz mit den Studienergebnissen die heftige Diskussion um die Auf­stockung der Umlage für Solarstromförderung zu entschärfen versuchte. Die Aufregung um die Auf­sto­ckung ist indes kein Wunder, denn durch sie müssen alle Stromverbraucher rund 70 % mehr Förderobulus zahlen. Bei einem durchschnittlichen Haushalt (Jah­res­verbrauch 4000 Kilowattstunden) fallen damit – nach Berechnungen des Ver­brau­cher­por­tals Verivox – pro Jahr knapp 70 Euro Mehrausgaben an.

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© Heise Business Services

Umgekehrt boomt  der Absatz von Solarpanels dank der bereits jetzt hohen Ein­spei­se­ver­gü­tung für die Betreiber schon seit Jahren. Entsprechend stieg das Volumen der Gesamtförderung mittlerweile weit über das ursprünglich geplante und politisch gewollte Maß hinaus an.

Die Auftragsstudie besagt nun, dass 75 % der Deutschen dazu bereit sind, stärker als bisher in die Förderung der Solarenergie zu investieren und bis zu 2 Cent pro Kilo­watt­stunde für den Ausbau der Solarstromerzeugung zu zahlen. „Die weit überwiegende Mehrheit der Menschen in Deutschland schätzt Solarstrom als zukunftsweisende Art der Energieerzeugung und ist von der Notwendigkeit der Anschubfinanzierung überzeugt – unabhängig von Alter, Bildungsstand oder auch der Region, in der sie leben“, interpretiert Günther Cramer, Präsident des Bundesverbands Solarwirtschaft die Umfrageergebnisse. Tatsache aber ist, dass die Umlage der Förderung aller Erneuerbaren Energien nach dem Erneuerbaren-Energie-Gesetz (EEG) bereits jetzt knapp 2,05 Cent pro Kilowattstunde beträgt. Es darf bezweifelt werden, ob dieser Fakt den Befragten zum Zeitpunkt der Frage bewusst war.

Ein weiteres Argument des Bundesverbands: Die Investitionen der vergangenen Jahre in Photovoltaik-Anlagen zahlten sich bereits jetzt aus. So seien die Preise für Solarstrom-Anlagen von 2006 bis heute um mehr als 40 % gesunken. Halte die Entwicklung bei den Preisen weiter an – so der Bundesverband – würde der selbst erzeugte Photovoltaik-Strom schon kurzfristig mit normalen Haushaltsstromtarifen konkurrieren können. Wahr ist aber, dass solche Preisentwicklungen nie linear verlaufen, schon gar nicht, wenn steigende Subventionen einen Preisrückgang immer uninteressanter werden lassen. Im Gegenteil spräche – nach anerkannten Regeln der Ökonomie und den Erfahrungen aus früheren Förderungen im Energiebereich – gerade der schnelle bisherige Rückgang dafür, die Subventionen künftig zurückzufahren.

Entsprechend vernünftig ist deshalb der Vorschlag des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), wenigstens die Gesamtvergütung zu deckeln. Dies würde vielleicht den idealen Mix aus Anreiz und Bescheidung erzeugen, aus dem wieder Innovationskraft für eine Branche erwachsen könnte, die allem Anschein nach immer mehr einem – gegenüber anderen Branchen der Erneuerbaren Energien unsolidarischen – Anspruchsdenken gepaart mit einer gewissen Maßlosigkeit zu erliegen scheint.

(ml)