Fachkräftemangel, Teil 1

Personalreserven im eigenen Land ausschöpfen!


Gerd Galonska

Gerd Galonska
©  PEAG

Nach Monaten der Klage setzt sich langsam eine differenziertere Sichtweise zum Thema Fachkräftemangel durch. Gibt es denn in Deutsch­land trotz drei Millionen Arbeitslosen wirklich zu wenige Arbeitskräfte mit ausreichender Qualifizierung? Dass sich selbst Wissenschaftler in dieser Frage nicht ganz einig sind, darüber haben wir schon berichtet. Nun haben wir Gerd Galonska, einen Experten der Arbeitsmarktpraxis zu einem Interview eingeladen und gefragt: Gibt es einen Fachkräftemangel? Und wenn nicht, wie finden mittelständische Betriebe kurzfristig passendes Personal?

Unser Gesprächspartner Gerd Galonska ist Vorsitzender der Geschäftsführung der PEAG Personalentwicklungs- und Arbeitsmarktagentur GmbH. Seine primäre Kritik: Die deutschen Unternehmen haben über zu lange Zeit hinweg versäumt, vorhandene Arbeitskräfte ausreichend weiterzubilden. Ist es dann aber soweit und tritt der Bedarfsfall ein, dann ist eine realistische Aufgabenbeschreibung der erste richtige Schritt, so Galonska weiter. „Wir haben ja immer noch den Hang in Deutschland, dass wir bei der Stellenausschreibung übertreiben.“ Deutsche Unternehmen suchen immer die Weltmeister, klagt der Experte. Wenn eine Fachkraft ihre spezielle Sache gut beherrsche, dürfe man nicht verlangen, dass sie auch noch alles mögliche andere können müsse.

Kleinen Unternehmen sollten sich nach Meinung Galonskas vor allem rechtzeitig sich mit den Zielgruppen in Verbindung zu setzten, in denen geeignete Mitarbeiter zu finden seien, z. B. mit Universitäten oder Schulen mit geeigneten Schwerpunkten. Erst dann den Kontakt aufzunehmen, wenn die Personaldecke bereits reißt, sei zu spät. Viele Betriebe müssten sich auch rechtzeitig fragen: „Kann ich entsprechende Fachkräfte nicht doch selbst ausbilden, eventuell im Verbund mit anderen?“

Wichtig sei auch, als Unternehmen etwas über den Tellerrand der eigenen Branche hinaus zu schauen. In vielen Fällen müssten neue Mitarbeiter bei näherer Betrachtung lediglich geeignete Grundlagen mitbringen. Die konkrete Einarbeitung sei dann oft in ausreichend kurzer Zeit möglich.

Ein akuter Fachkräftemangel sei zwar in bestimmten Branchen und Regionen tatsächlich eingetreten. Das gelte aber eben nicht in allen Regionen und auch nicht in allen Branchen, relativiert auch Personalexperte Galonska die Klagen der Wirtschaft.

Am kommenden Montag sprechen wir mit Gerd Galonska über sein eigenes Unternehmen und darüber, wie eine Zeitarbeitsagentur Personal suchenden Unternehmen helfen kann.

(ml)

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0 Kommentare:

  1. Endlich mal ein Artikel, dem ich zustimmen kann.

    Viele Unternehmen suchen erst, wenn die Bude brennt, die Termine platzen, die ersten Mitarbeiter wegen Überlastung kündigen (wollen).
    Dann wird eben schnell eine Zeitarbeitsfirma angerufen, die den passenden 100%-Kandidaten spätestens übermorgen vorbeischickt.
    Wenn der Kandidat nicht 100% ist, wird dieser solange ausgetauscht, bis die Termine endgültig geplatzt sind.
    Denn der neue muss eingearbeitet werden, das kostet Zeit, Zeit der Stammbelegschaft, die eh keine Zeit haben.

    Folge:
    Die Stammbelegschaft ist sauer.
    Die Zeitarbeiter sind frustriert.
    Der Kunde tobt (Termine geplatzt).
    Der Chef flucht über u.a. die unfähigen Zeitarbeiter.

    Wer ist Schuld?
    Der Fachkräftemangel,
    unfähige Zeitarbeiter (egal ob Hiwi oder Ingenieur),
    die Zeitarbeitsfirmen, die keine vernünftigen 100%-Kandidaten schicken,
    die Gewerkschaften,
    die Regierung,
    (…)

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