Gründerszene
Aufbruch nach dem Sturm

Download
Download

Frohe Kunde von der Gründerfront: Deutsche Start-ups sind nicht nur erstaunlich gut durch die Krise gekommen, ihre Umsatz- und Gewinnsituation wird sich aus Sicht der Unternehmen im laufenden Jahr sogar weiter verbessern. Darüber hinaus haben die jungen Unternehmen im Jahr 2009 über eine halbe Million zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen – mehr als in den Jahren davor, was unter anderem durch eine höhere Zahl an Neugründungen möglich wurde. Wie gut aufgestellt die Gründerszene sich derzeit präsentiert, zeigt der dritte, aktuelle Bericht Aufbruch nach dem Sturm (s. linkes Bild) des KfW/ZEW- Gründungspanels.

Dr. Axel Nawrath, Vorstandsmitglied der KfW Bankengruppe ist voller Lob für die deutschen Gründer: „Sie sind der Krise aktiv begegnet und haben sich mit der Ausrichtung ihrer Produkte an den Bedürfnissen der Kunden auf ihre Stärken konzentriert.“

Durch die wirtschaftsaktiven Unternehmensgründungen des Jahres 2009 wurden rund 560.000 neue Arbeitsplätze geschaffen, was für den gesamten Beobachtungszeitraum der Jahre 2006 bis 2009 einen Höchststand bedeutet (2008: 387.000, 2007: 474.000, 2006: 455.000). Der höhere Beschäftigungseffekt speist sich aus einer gestiegenen Zahl von Unternehmensgründungen und vor allem einer größeren durchschnittlichen Gründungsgröße. Letztere lag im Jahr 2009 mit 3,0 vollzeitäquivalenten Stellen (inklusive des Gründers) deutlich über dem Wert der vergangenen Jahre (2008: 2,2; 2007: 2,5; 2006: 2,3). Dr. Georg Licht, Leiter des Forschungsbereichs Industrieökonomik und Internationale Unternehmensführung des ZEW Mannheim kennt den Grund: „Die größere Unsicherheit auf dem Arbeitsmarkt hat viele Arbeitnehmer veranlasst, auch neu gegründete Unternehmen als attraktiven Arbeitgeber in Erwägung zu ziehen.“ Zudem seien von den Konjunkturpaketen des Bundes Nachfrageeffekte ausgegangen, von denen junge Unternehmen insbesondere im Baugewerbe profitiert haben, so Licht weiter.

Ihre Innovationstätigkeit haben die jungen Unternehmen ebenfalls verstärkt: Der Anteil der Unternehmen, die im vergangenen Jahr eine Marktneuheit angeboten haben, stieg im Vergleich zum Vorjahr um zwei Prozentpunkte auf 13 %. Grund: Rund ein Siebtel der jungen Unternehmen (15 %) hat im Krisenjahr 2009 eigene Forschung und Entwicklung betrieben. 2008 waren es nur 13 %. „Das Innovationsverhalten spielt für junge Unternehmen bei der Schaffung von Wettbewerbsvorteilen gegenüber ihren etablierten Konkurrenten eine große Rolle. Es ist daher ein Zeichen von Weitsichtigkeit, dass die jungen Unternehmen in Innovationen ein wichtiges Instrument sehen, um gestärkt aus der Krise zu kommen“, lobt Michael Bretz, Leiter der Wirtschaftsforschung bei Creditreform.

Die Entwicklung des Investitionsverhaltens trübt allerdings das positive Gesamtbild etwas: Sowohl die Zahl der Investitionen junger Unternehmen als auch das durchschnittliche Investitionsvolumen lag 2009 niedriger als im Vorjahr 2008. So investierten 2009 nur 63 % der Unternehmen, nach 75 % im Jahr 2008. Zugleich lag die durchschnittliche Investitionshöhe 2009 lediglich bei 33.000 Euro, nach 37.000 Euro in 2008.

Die Investitionstätigkeit junger Unternehmen wird häufig durch eine mangelnde Finanzierung beeinträchtigt, wobei die Finanzierungsschwierigkeiten im Jahr 2009 insgesamt laut Bericht nochmals zugenommen haben (2009: 19 % der Unternehmen, 2008: 16 %). Vor allem Unternehmen, die F&E betreiben oder Markneuheiten einführen, sehen sich häufig Schwierigkeiten gegenüber. „In den kommenden Jahren müssen die jungen Unternehmen die entstandene Investitionslücke schließen und ihre Investitionstätigkeit verstärken,“ drängt Dr. Norbert Irsch, Chefvolkswirt der KfW Bankengruppe, „nur dann können sie ihr Entwicklungspotenzial voll ausschöpfen.“

Der Bericht Aufbruch nach dem Sturm, der gemeinschaftlich von der KfW Bankengruppe, dem Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung Mannheim (ZEW) und dem Verband der Vereine Creditreform herausgeben wird, berücksichtigt und analysiert die wirtschaftliche Entwicklung von sogenannten wirtschaftsaktiven Unternehmensgründungen ab ihrem Gründungszeitpunkt. Der komplette Bericht steht als kostenloser Download online zur Verfügung.

(KfW / ml)