Ernst & Young Mittelstandsbarometer
Fachkräftemangel kostet Mittelstand 33 Mrd. Euro

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Wie die Sommerumfrage des halbjährlichen Mittel­standsbarometers der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young zeigt, befürchtet fast jedes zweite mittel­ständische Unternehmen in Deutschland (45 %), dass sich die Wirtschaftslage in den nächsten Monaten verschlech­tern wird. Nur noch 15 % erwarten einen weiteren Auf­schwung (Anfang 2011: 61 %). 63 % fürchten sogar eine neue Wirtschaftskrise. Außerdem feh­len Fachkräfte. Da­durch gehen dem Mittelstand voraus­sichtlich pro Jahr 33 Mrd. Euro Umsatz verloren.

Wie die Studie – für die 700 mittelständische Unternehmen befragt wurden – ebenfalls zeigt, will dennoch jedes dritte Unternehmen mehr investieren. Grund dafür ist die trotz leichter Eintrübung in den letzten Monaten noch immer gute Geschäftslage. 94 % der Mittelständler sind mit der aktuellen Geschäftslage zufrieden, 45 % bezeichnen sie sogar als uneingeschränkt gut (Anfang 2011: 52 %). Der schwächelnde Finanzmarkt ließ die Umsatzentwicklung im Mittelstand bislang noch kalt: Während 11 % der Unternehmen zwischen Mitte Juli und Mitte August ihren Umsatz steigern konnten, berichten ebenso viele von leichten Umsatzrückgängen. Die Zahl der Optimisten geht allerdings deutlich zurück: Derzeit erwarten 31 % der Unternehmer eine Verbesserung der eigenen Geschäftslage (Anfang 2011: 52 %). Der Anteil der Pessimisten stieg im gleichen Zeitraum von 5 auf 12 %.

Noch stärker haben sich die Konjunkturerwartungen eingetrübt: 45 % der Unternehmen erwarten eine Verschlechterung der Wirtschaftslage in den kommenden sechs Monaten, während lediglich 15 % eine Fortsetzung des Aufschwungs vermuten. Auch Peter Englisch, Leiter Mittelstand und Partner bei Ernst & Young sieht den Zenit überschritten, beruhigt aber, die Geschäftslage sei nach wie vor ausgesprochen gut. Eine Wirtschaftskrise, vor der sich immerhin 63 % der Mittelständler fürchten, sieht Englisch nicht:

„Dass es früher oder später zu einer Abkühlung kommen musste, war klar. Es spricht aber viel dafür, dass wir eher eine Abschwächung des Wachstums als einen echten Abschwung oder gar eine Rezession erleben werden.“

Die pessimistische Stimmung spiegele weniger die realen Wirtschaftsperspektiven wider, sondern die erhebliche Verunsicherung durch die europäische Schuldenkrise. Er warnt deshalb: „Die Politik ist inzwischen zur Achillesverse der Konjunktur geworden.“ Dazu passen halten 82 % der Befragten die Schuldenkrise für den wichtigsten Risikofaktor. 44 % von ihnen bereitet diese Entwicklung sogar sehr große Sorgen.

Noch aber stehen beim deutschen Mittelstand die Zeichen weiter auf Wachstum: Die Auftragslage ist nach wie vor sehr gut, die Kapazitätsauslastung ebenfalls. Und trotz der eingetrübten Geschäftsprognosen will der Mittelstand nicht nur mehr investieren, sondern auch zusätzliche Mitarbeiter einstellen: Gut jeder Vierte will die Belegschaft aufstocken, nur 9 % planen einen Personalabbau.

Ein Problem für den Mittelstand stellt das zu geringe Arbeitsmarktpotenzial an Fachkräften dar: 73 % der Mittelständler berichten von Schwierigkeiten bei der Suche nach neuen Mitarbeitern. Jeder Neunte bezeichnet es sogar als sehr schwierig, ausreichend qualifizierte Mitarbeiter zu finden. Die Mehrheit der deutschen Mittelständler (65 %) erwartet in diesem Punkt auch in nächster Zukunft keine Besserung. 60 % der Unternehmen beklagen bereits Umsatzeinbußen durch den Fachkräftemangel. 15 % berichten sogar von erheblichen Einbußen von mehr als 5 %. Auf Basis der Befragungsergebnisse lassen sich für den gesamten deutschen Mittelstand (Unternehmen mit Umsätzen von 5 bis 250 Mio. Euro, ohne Klein- und Großunternehmen) Einnahmeausfälle bzw. Umsatzeinbußen in Höhe von jährlich 33 Mrd. Euro errechnen.

Besonders in den Bereichen Vertrieb/Kundendienst und in der Produktion fehlen derzeit Fachkräfte: Fast jeder zweite deutsche Mittelständler (46 %) sucht Vertriebsmitarbeiter, immerhin 38 % haben Stellen in der Produktion zu besetzen. Um im Wettbewerb um knappe Talente zu bestehen, setzen die Unternehmen derzeit vor allem auf Trainings- und Weiterbildungsmaßnahmen für die eigene Belegschaft. Gehaltserhöhungen oder die Anwerbung ausländischer Fachkräfte stehen hingegen nur für eine Minderheit der Mittelständler auf der Agenda.

Die wichtigsten Ergebnisse der Befragung stehen als Präsentation aufbereitet per Download kostenfrei im Internet bereit. (Ernst & Young/ml)