Vobe, Teil 2
Freizeit mit Freunden organisiert man per App

Michel Lindenberg, GF bei Vobe
Michel Lindenberg, GF bei Vobe

Im ersten Teil des Podcasts ging es aus­nahms­wei­se um eine bereits weit zurückliegende und er­folg­rei­che Gründung unseres In­ter­view­part­ners Michel Lindenberg, nämlich um Stayfriends. Hier im zweiten Teil wollen wir das Geschäftsmodell seines aktuellen Start-ups Vobe vorstellen und dessen Er­folgs­aus­sich­ten hinterfragen.

Anzeige

Vobe ist nicht nur ein Start-up, der Name steht auch für dessen Produkt, eine Messenger-App. Mit deren Hilfe können die Nutzer sich über das Smartphone mit Freunden zu gemeinsamen Freizeitaktivitäten (z.B. zu einem Kinobesuch, zum Shoppen oder zum Sporttraining) verabreden.

Theoretisch ist das natürlich auch mit jeder anderen Messenger-App möglich. Der Clou am Vobe-Messenger liegt darin, wie die Entscheidungsfindung abläuft: Wer mit der Vobe-App eine gemeinsame Aktivität organisieren möchte, lädt seine Freunde zu einer Abstimmungsrunde ein. Jeder der will, kann dann einen Vorschlag für die gemeinsame Freizeit eintippen. Die App stellt die Alternativen in Echtzeit optisch in der Art eines Mindmappings als Blasencluster dar. Jeder Teilnehmer der Runde kann zu jeder Zeit per Wischgeste sein eigenes Alias (Icon) auf jene Aktivität ziehen, die er bevorzugt. Kommen von der Runde weitere Vorschläge hinzu, entstehen neue Blasen. Einen Wechsel von einer Blase zur anderen – und damit von einem Vorschlag zum anderen – ist jederzeit möglich und für alle sofort sichtbar. Auch hierzu reicht wieder eine intuitive Wischgeste.

Auf diese Weise bildet sich rasch in einem dynamischen Echtzeitprozess ein gemeinsamer Vorschlag heraus, auf den sich alle einigen können. Dieser Abstimmungsprozess läuft so intuitiv und mühelos ab, als würden sich die Teilnehmer der Runde in der realen Welt gegenüberstehen.

Der Nutzen für die Nutzer ist jedoch nur eine Voraussetzung für den Erfolg. Andere wichtige Voraussetzungen sind ein entsprechend großer Bedarf und eine breite Bereitschaft in der Zielgruppe, diese Technik auch anzuwenden. Beides lässt sich zwar nur vermuten, aber klare Indikatoren dafür, dass der Markt für Messenger-Apps generell und für Apps zur Freizeitkoordination in den nächsten Jahren wachsen wird, gibt es viele. Unter anderem steigt die Zahl der Messenger-Nutzer gerade unter jüngeren Menschen rasant, während die klassischen sozialen Netzwerke, die bisher zum Organisieren gemeinsamer Freizeitunternehmungen vorwiegend genutzt werden, mehr jüngere Nutzer verlieren, als neu hinzukommen.

Derzeit verzeichnet Vobe einige Tausend Nutzer. Ihre Teilnahme ist kostenlos. Finanziell soll sich der Messenger-Dienst über passende Werbung zum Thema tragen. Noch jedoch ist die kritische Masse an App-Nutzer nicht erreicht. Aber auch Stayfriends habe erst eine jahrelange Durststrecke hinter sich bringen müssen, bis der Durchbruch erfolgte, gibt Lindenberg zu bedenken. Irgendwann, so hoffe er, werde aber „voben“ ebenso zum Synonym für „verabreden“ werden, wie heute „googeln“ für die Internet-Suche. Zumindest habe er den Namen unter diesem Aspekt ausgesucht. (Podcast: mtx/Text: ml)