Zerspanung
Bohrer mit Drachen­haut schnei­den durch Titan

© CERATIZIT Deutschland GmbH

Im Flugzeugbau wächst der Anteil von Titan­werk­stoffen Jahr für Jahr. Gegen­über dem Airbus A380 (2005) ist etwa der Titan­anteil des A350 (2013) bereits mehr als doppelt so hoch. Zu­gleich kom­men in der In­dustrie viel­fach kor­rosions­bestän­dige Nickel­basis­legierungen wie Inconel, Hastelloy, rost­freier VA-Stahl oder der extrem ver­schleiß­feste Hardox zum Ein­satz. All diese Werk­stoffe haben ihre spe­zi­fi­schen Vor­teile, aber einen ge­mein­sa­men Nach­teil: Sie sind nur sehr schwer zu zerspanen.

Die Hartmetallspezialisten von WNT/Ceratizit arbeiten daher seit geraumer Zeit an speziellen Werkzeugbeschichtungen, die diesem Wandel auf dem Werkstoffmarkt gerecht werden. Paradebeispiel der Luxemburger mit deutschem Sitz in Kempten ist der bereits 2017 zur EMO in Hannover vorgestellte Hochleistungsbohrer für Vollhartmetall WTX-Ti. Das Kürzel verweist darauf, dass die Schneiden durch ihre hohe Warmhärte und thermische Beständigkeit der starken Beanspruchung der Titanbearbeitung standhalten. „Wichtig war uns, dass wir einen leistungsfähigen Bohrer entwickeln, der nicht nur in Titan und Inconel funktioniert“, sagt Felix Meggle, Produktmanager Bohren bei Ceratizit. Er hebt hervor, „dass der WTX-Ti auch bei der Bearbeitung von austenitischen und martensitischen Edelstählen sowie Hastelloy Spitzenergebnisse liefert.“

Die Beschichtung, die genau dies leistet und in der Praxis hohe Schnittgeschwindigkeiten, mehr Prozesssicherheit und deutlich längere Standzeiten ergibt, trägt den abenteuerlichen Namen Dragonskin (Drachenhaut). Noch einmal Felix Meggle:

„Bei der Bearbeitung von hochwarmfesten Superlegierungen haben wir sehr hohe Temperaturen an der Schneidkante und zudem sind die Werkstoffe extrem abrasiv. Das Werkzeug muss also sehr schnittfreudig und gleichzeitig äußerst stabil sein, um Standzeiten zu bringen.“

Dem Verschleiß durch die hohe Abrasivität der Werkstoffe begegnet der WTX-Ti außerdem mit einer extrem glatten Oberfläche und mikrogeometrischen Kantenschutzverrundungen, die eine sehr scharfe und gleichzeitig sehr stabile Schneide ergeben, die den hohen Belastungen standhält. Hinzu kommt noch, dass die polierten Spannuten für einen sicheren Späneabtransport sowie für weniger Reibung in der Spankammer sorgen.

Zuletzt konnte man den WTX-Ti Anfang Februar auf der Intec in Leipzig erleben – dort führte Ceratizit auch sein neues High-Dynamic-Turning-Konzept vor, das gleich noch mit dem 2. Platz des Intec-Preises ausgezeichnet wurde. Der nächste Metaller-Messehalt in Deutschland ist dann wieder die Weltleitmesse im Herbst: die EMO Hannover (16.–21. September 2019).