#TechTide Hannover
Künstliche Intelligenz bringt die PS auf die Straße

© Gerold Kuiper – Mittel­stand-4.0-Kom­petenz­zentrum Hannover
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Am 3. und 4. Dezember fand in Hannover die Tech­Tide statt, die erste nieder­sächsische „Kon­ferenz zur Digi­tali­sierung in Wirt­schaft und Gesell­schaft“. Am Rande des Podiums haben wir Gerold Kuiper vom Mittel­­stand-4.0-Kom­petenz­­zentrum Hannover gefragt, wo mittel­ständische Unternehmen am ehesten Unter­stützung brauchen.

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Erklärtes Ziel des Kompetenzzentrums ist es, „Digitalisierung in den Mittelstand zu bringen“. Dazu bietet es vier Instrumente für die Unternehmen an: Zum einen sensibilisiert es in Vorträgen und Demofabriken für das Thema Digitalisierung. Darüber hinaus führen die Zentrumsmitarbeiter Firmengespräche vor Ort in den Unternehmen. Ein weiteres Instrument sind Schulungen – zum Umgang mit Maschinendaten und Big Data, zu Lean Production und IT-Sicherheit, zu konkreten Retrofit-Lösungen oder zu RFID – insgesamt 25 verschiedene Schulungsangebote hat Hannover derzeit im Programm. Und schließlich setzt das Zentrum mit Unternehmen konkrete Digitalisierungsprojekte um. „Wir zeigen auf, dass man Digitalisierung auch in kleinen Schritten machen kann“, sagt Gerold Kuiper. „Wir zeigen, wie man die Mitarbeiter, die man hat, mitnehmen kann.“

Denn eine der größeren Hürden der Digitalisierung ist die irrige Vorstellung, dass Digitalstrategien eine große Hauruck-Aktion erfordern. Dabei gibt es genügend erfolgreiche Projekte, die klein beginnen und dann skalieren oder weitere Bereiche mit einbeziehen. Dass gezielt platzierte digitale Lösungen ganz erstaunliche Möglichkeiten eröffnen können, erklärt Kuiper am Beispiel eines mittelständischen Schaltschrankbauers. Das Unternehmen tut sich ohnedies schwer, genug qualifizierte Fachkräfte für seine teils hochkomplexen Aufgaben zu finden. Die wenigen Techniker muss es obendrein in der Montage einsetzen – eben weil auch die Installation recht komplex ist. Die Lösung: Ein Montage-Assistent, der per Laser anzeigt, welche Teile wohin gehören. Das Konzept erweist sich am Ende sogar als „Inklusion 4.0“: Die Firma kann jetzt auch Menschen mit Behinderung anspruchsvolle Aufgaben in der Montage anvertrauen. Die Fachkräfte wiederum können jetzt dort eingesetzt werden, wo sie dringender gebraucht werden. Kuipers Fazit:

„Insofern haben wir es mit der Digitalisierung geschafft, den Fachkräftemangel in dem Unternehmen zu kompensieren – und zusätzliche Arbeitsstellen geschaffen.“

Die weitaus größte Hemmschwelle ist jedoch eine strategische. Sie besteht zum Beispiel darin, ein etabliertes Geschäftsmodell zu verändern. In solchen Fällen müsste tatsächlich ein Ruck durch die Firma gehen, wenn sie neue Wege beschreiten will (oder muss). Denn der digitale Wandel wird weiter Tempo aufnehmen, betont Kuiper, „das ist eine Entwicklung, die auch stetig und rasant so weitergehen wird.“

Als nächstes Großthema steht bei Mittelstand-4.0-Kompetenzzentrum Hannover daher KI auf dem Plan. „Künstliche Intelligenz“, sagt Kuiper, „bringt letztlich die PS auf die Straße.“ Mit anderen Worten: Erst KI kann die enormen Datenmengen der Digitalisierung (sinnvoll) verarbeiten. Diese Entwicklung werde „auch in den nächsten 20 Jahren noch nicht zu Ende sein.“ Die ersten Einführungsworkshops und Seminarveranstaltungen sind bereits online buchbar.

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