#TechTide Hannover
IoT-Sensoren passen auf den Transport auf

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Zu den Firmen, die Staats­sekretär Stefan Muhle zum Auf­takt der TechTide in Hannover als „Digitale Orte Nieder­sachsens“ aus­zeichnete, gehört auch Hell­mann World­wide Logistics. Henning Pottharst ist dort für das Real­time-Tracking-System „Smart Visibility“ zuständig. Im Video-Interview erklärt er, wie es funktioniert.

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Das traditionsreiche Osnabrücker Familienunternehmen hat das System zur Sendungsverfolgung in Echtzeit in Zusammenarbeit mit dem englischen IoT-Start-up Hanhaa entwickelt. Hanhaa wiederum hat seine ParceLive-Hardware zusammen mit dem Connectivity-Ausrüster Avnet (Abacus) und den Schweizer Antennentechnikern von TE Connectivity gebaut. Das System sendet via Mobilfunk in einem festgelegten Takt Daten zu Standort, Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Lichteinfall, es warnt, wenn die Packung geöffnet wird oder zu Boden fällt oder falls die Sendung vom Zeitplan abweicht, sogar der Neigungswinkel lässt sich als Alert nutzen, sodass das System Alarm schlägt, wenn die Ladung gekippt wird. Endanwender können in einer Kartenansicht online kontrollieren, wo sich ihre Sendung genau befindet.

„Sie sehen jederzeit, wo Ihr Produkt ist und vor allen Dingen auch, wie es Ihrem Produkt geht, wenn es um Temperatur, Luftfeuchtigkeit oder eben Erschütterung geht.“

Bei Lebensmitteln, Medikamenten und anderen Transportgütern, die empfindlich auf Temperaturveränderungen reagieren, können die Daten erfolgskritisch sein. Dann nämlich geht es darum, die Integrität der Lieferkette nachzuweisen bzw. im Fehlerfall angemessen zu reagieren, wie Henning Pottharst betont:

„Es ist wichtig, dass der Kunde automatisch sieht, wo was passiert ist und wann es passiert ist – alleine, um dann die Haftung im Zweifelsfall zu klären. Oder um im Idealfall auch seinen Kunden darüber zu informieren, dass es zu Problemen gekommen ist – und zwar rechtzeitig!“

In der Praxis fügt der Absender seiner Lieferung ein kleines Päckchen bei, das den IoT-Sender enthält. Ein Knopfdruck genügt – „und von dem Augenblick an“, sagt Pottharst, „sind Sie in der Lage, Ihr Produkt oder Ihre Sendung in Echtzeit zu tracken.“ Der Empfänger wiederum drückt am Ende den Stopp-Knopf und wirft den bereits postfertigen Tracker einfach in den nächsten Briefkasten. Welcher Sender jeweils zum Einsatz kommt, hängt von der Art der Ware, dem Transportweg und den Kundenbedürfnissen ab. Ein zentraler Faktor ist dabei die Sendehäufigkeit. Laut Pottharst kann man „ohne Weiteres 60 Tage Akkulaufzeit hinbekommen bei einem Einstunden-Ping, das heißt: Das Gerät meldet sich einmal die Stunde.“

Der Markt für derartiges Supply Chain Tracking ist derzeit allerdings noch heftig in Bewegung, das Wettrennen um die vorderen Plätze bei IoT-Logistikplattformen und geeigneten Netztechnologien ist noch in vollem Gange. In diesem Spiel mischen große Netzanbieter wie die Telekom und Cloud-Dienstleister wie Microsoft und IBM ebenso mit wie innovative Start-ups und eben die Anwenderunternehmen selbst. Bei Hellmann hat man jedenfalls erkannt, dass die Logistik 4.0 ihren Kunden „durch digitale Lösungen einen Mehrwert bieten“ muss, wie es CDO Stefan Borggreve formuliert.

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