IT-Talk der Kommunen 2017

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Von Profis für Profis

© NürnbergMesse GmbH, Heiko Stahl

Von Eva Breutel und Eduard Heilmayr

Der IT-Talk im Rahmen der KOMMUNALE ist anders – und genau deshalb ein voller Erfolg. Denn anders als bei vielen Veranstaltungen geht es hier nicht um theoretische Ansätze oder um Produkt- und Dienstleistungsinformationen, sondern um die handfeste Praxis. IT-Profis von Firmen aus ganz Deutschland sprechen über konkrete kommunale Digitalisierungsprojekte. Damit nicht genug, schildern IT-Fachleute der Kommunen, wie die Umsetzung dieser Projekte aus ihrer Sicht abläuft. An Fakten wird dabei nicht gespart: Entscheidungskriterien, Projektverlauf bis zum Einsatz, Kosten und Termine, Einsatzakzeptanz und generelle Zufriedenheit mit dem Projekt – alles wird thematisiert.

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Das Themenspektrum ist auch in diesem Jahr breit gefächert und reicht von den Erfahrungen mit der digitalen Archivierung in einem Landratsamt bis zum kommunalen Immobilienportal, das als Instrument für die Stadtentwicklung eingesetzt wird und gleichzeitig einen hohen Servicefaktor für die Bürger aufweist. Nicht zu kurz kommen künftige Entwicklungen, mit denen sich die Kommunen demnächst auseinandersetzen müssen, wie die neue EU-Datenschutzgrundverordnung oder die sich ändernden Rahmenbedingungen für Bürgerportale. Im Folgenden findet sich ein Überblick über die diesjährigen Schwerpunktthemen und das detaillierte Programm der beiden Veranstaltungstage. Man sieht sich in Nürnberg!

Digitalisierung: Von der Wasserwirtschaft bis zum Archiv

Wie lässt sich die kommunale Wasser- und Abwasserwirtschaft praxisnah digitalisieren? Über diese Herausforderung berichtet Günter Müller-Czygan, Abteilungsleiter bei HST Systemtechnik in Meschede, NRW. Er erläutert neuartige Lösungsansätze aus dem Förderprojekt Kommunal 4.0 und veranschaulicht sie anhand verschiedener Beispiele. Die praktischen Erfahrungen bei der Umsetzung schildert Arne Nath, Abteilungsleiter für Planung, Bau und Betrieb von Abwasseranlagen bei der SüdWasser GmbH in Erlangen, Bayern.

Wolfgang Baier, Stadtbaumeister der Stadt Helmbrechts in Bayern, zeigt in seinem Referat auf, welche Folgen durch die Koordinatenumstellung speziell für Kommunen entstehen können. Anhand von verschiedenen Sparten von geografischen Informationssystemen stellt er den nötigen Aufwand praxisnah dar und informiert auch über die Kosten. In Zeiten der zunehmenden Digitalisierung, so Baier, gelte es auch abzuwägen, wie genau und perfekt Fachdaten in das neue Koordinatensystem der Landesvermessung übertragen werden sollten.

Riesige Aktenberge kennt jeder, der in der kommunalen Verwaltung beschäftigt ist, nur zu gut. Wie sie sich im Landkreis Schwandorf allmählich in ein digitales Archiv verwandelten, beschreibt Georg Hoffmann, IT-Administrator beim Landratsamt Schwandorf, Bayern. Er erzählt dabei auch von der anfänglichen Skepsis der Mitarbeiter, die bald der Begeisterung über die zahlreichen Vorteile der digitalen Archivierung wich. Hoffmann schildert detailliert einzelne Lösungen und berichtet über die sich ergebenden Mehrwerte für den Landkreis.

Das Programm im Überblick

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Mittwoch, 18. Oktober 2017: Auszeichnung „Kommunaler IT-Profi“ mit Projektvorträgen

  • 15.00 Uhr: Auszeichnung Kommunaler IT-Profi bis 10.000 EW, Gemeinde. Projektvortrag: „Einführung Informationssicherheitsmanagementsystem ISIS 12“ von Gerhard Lang, Gemeinde Adelsdorf, Bayern.
  • 15.35 Uhr: Auszeichnung Kommunaler IT-Profi bis 15.000 EW, Stadt. Projektvortrag: „Digitalisierung des Sitzungsdienstes“ von Heinrich Diel, Stadt Wolfhagen, Hessen.
  • 16.10 Uhr: Auszeichnung Kommunaler IT-Profi bis 15.000 EW, Stadt. Projektvortrag: „Integrierte Vorgangsbearbeitung“ von Matthias Martin, Stadt Wilsdruff, Sachsen.
  • 16.45 Uhr: Auszeichnung Kommunaler IT-Profi bis 150.00 EW, Landkreis. Projektvortrag: „Rechtskonforme Dokumentenarchivierung“ von Stephan Grosser, LKR Weilheim-Schongau, Bayern.
  • 17.20 Uhr: Auszeichnung Kommunaler IT-Profi bis 150.00 EW, kreisfreie Stadt. Projektvortrag: „Flächendeckender DMS-Einsatz in kreisfreier Stadt“ von Ulrich Englisch, Stadt Heilbronn, Baden-Württemberg.
  • 18.00 Uhr: Siegerfeier Kommunaler IT-Profi (nur auf Einladung).

Donnerstag, 19. Oktober 2017: Vortragsprogramm

  • 10.00 Uhr: „KOMMUNAL 4.0 –Prozessdigitalisierung in der kommunalen Wasserwirtschaft“. Referenten: Günter Müller-Czygan, Leiter Kommunal 4.0, HST Systemtechnik, Meschede/NRW, und Arne Nath, Prokurist Südwasser GmbH, Erlangen, Bayern.
  • 10.45 Uhr: „Koordinatenumstellung – Auswirkungen in der Praxis“. Referent: Wolfgang Baier, Stadtbaumeister, Stadt Helmbrechts, Bayern.
  • 11.30 Uhr: „Digitale Archive statt Aktenberge“. Referent: Georg Hoffmann, IT-Administrator Landramtsamt Schwandorf, Bayern.
  • 12.15 Uhr: „Auswirkungen der neuen EU-Datenschutzverordnung auf Kommunen und öffentliche Verwaltungen“. Referent: Thomas Hofer, Akademischer Direktor, Rechtsinformatikzentrum der Ludwig-Maximilians-Universität München.
  • 13.00 Uhr: „Anwendung der neuen Datenschutz-Grundverordnungen“. Referentin: Sandra Wiesbeck, Vorstandsvorsitzende Bayerischer IT-Sicherheitscluster, Regensburg.
  • 13.45 Uhr: „Praxistipps – Informationssicherheit und Datenschutz für kleine Kommunen“. Referentin: Ulla Ohaus, Principal Consultant Keyldo GmbH, Neuenbürg, BW.
  • 14.30 Uhr: „Neue Vorgaben vom Bund und EU für Betreiber öffentlicher Portale“. Referent: Detlef Sander, Vorstand net-Com AG, Osnabrück, Vorsitzender DATABUND e.V.
  • 15.15 Uhr: „Digitalisierung der kommunalen Kommunikation“. Referent: Felix Ebner, Projektleiter Medienakademie mecodia GmbH, Aichtal, BW.
  • 16.00 Uhr: „Modernes Stadtentwicklungsinstrument für Kommunen“. Referenten: Erika Schulte, Leiterin Wirtschaftsförderung, Stadt Hanau, Hessen, und Bo Nintzel, Geschäftsführer immovativ GmbH, Ober-Ramstadt, Hessen.
  • 16.45 Uhr: Ende.

IT-Recht: Neuerungen und Praxistipps

Am 25. Mai 2018 tritt die neue, europaweit einheitliche Rechtsgrundlage für den Datenschutz, die EU-Datenschutzgrundverordnung (EU-DSGVO), in Kraft tritt. Welche rechtlichen Herausforderung sich daraus für die Kommunen ergeben, darüber spricht der Jurist Thomas Hofer, Leiter des Rechtsinformatikzentrums der Ludwig-Maximilians-Universität München: Was bleibt, was ändert sich? Wie können sich Behördenleiter und Datenschutzbeauftragte vorbereiten und ihre kommunale Verwaltung für das neue Recht fit machen? Darüber hinaus erklärt Hofer, welche Haftungsrisiken das neue Recht birgt und was die Aufsichtsbehörden von den kommunalen Verwaltungen erwarten.

Um Datenschutz geht es auch im Referat von Sandra Wiesbeck, Vorstandsvorsitzende des Bayerischen IT-Sicherheitsclusters. In diesem Verein arbeiten Unternehmen der IT-Wirtschaft, Unternehmen, die IT-Sicherheitstechnologien nutzen, Hochschulen, weitere Forschungs- und Weiterbildungseinrichtungen sowie Juristen vornehmlich an den Schwerpunktthemen IT-Security und Functional Safety. Wiesbeck beschreibt in ihrem Vortrag, wie die neue Datenschutzgrundverordnung der EU in der Praxis angewendet wird.

Kommunen sind gemäß den bestehenden E-Government-Gesetzen dazu verpflichtet, ein Konzept oder System zum Informationssicherheitsmanagement (ISM) umsetzen. Was dahintersteckt, wie sich Informationssicherheit und Datenschutz differenzieren lassen und wie gerade kleine Kommunen mit dem Thema umgehen können, das erörtert Ulla Ohaus von der IT-Unternehmensberatung Keyldo aus Neuenbürg, Baden-Württemberg. Die Fachfrau geht auch auf die häufig gestellte Frage ein, ob es möglich ist, externe Dienstleister mit dem ISM zu beauftragen. Mit ihrem Vortrag will sie Behördenleiter in die Lage versetzen, ihre Situation im Sinne von „Was habe ich und was brauche ich?“ abzuschätzen.

Bürgerportale: neue Rahmenbedingungen, neue Ideen

Der Gesetzgeber ist immer wieder für Überraschungen gut: Bislang meist unbemerkt von den Fachleuten in den Kommunen haben Bund und EU verschiedene Vorhaben auf den Weg gebracht, die nicht nur Fachverfahren betreffen, sondern zum ersten Mal und in starkem Maß auch die Betreiber öffentlicher Internet-Portale auf der Kreis- und Kommunalebene. Welche Rahmenbedingungen für öffentliche Portalbetreiber derzeit bestehen und wie sie sich in naher Zukunft ändern werden, erläutert Detlef Sander, Vorstand net-Com AG und Vorsitzender des Branchenverbandes DATABUND, in seinem Vortrag.

Viele Kommunen wollen ihre Bürger bei Entscheidungen stärker beteiligen. Doch meist mangelt es an Resonanz, weil die Informationen die Adressaten gar nicht erst erreichen. Wie sich Informationen der Kommunen besser verteilen lassen als mit einer schlichten Internet- oder Facebook-Seite, beschreibt Felix Ebner, Gründer der mecodia GmbH bei Stuttgart. Er schlägt ein Push-Modell vor, bei dem die relevanten Infos automatisch an die Bürger verschickt werden, entweder aufs Smartphone oder ins Mail-Postfach, und veranschaulicht seinen Ansatz am Beispiel einer Kommune mit 40.000 Einwohnern.

Ein kommunales Immobilienportal als Instrument für Standortmarketing und Stadtentwicklung – diese Idee entwickelte die Firma Terragroup aus Hanau, Hessen, seit 2013 gemeinsam mit dem Regionalverband FrankfurtRheinMain. Der große Erfolg überraschte selbst die Macher, denn inzwischen nutzen über 500 Kommunen in ganz Deutschland das digitale Instrument. Das Portal ist modular aufgebaut und lässt sich auf die Bedürfnisse der jeweiligen Kommune zuschneiden. Für die Firma Terragroup berichtet Bo Nintzel von der Tochterfirma immovativ über das Immobilienportal, die praktische Erfahrung in der Kommunalverwaltung schildert Erika Schulte, Leiterin Wirtschaftsförderung der Stadt Hanau.

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