Fachkräfte dank Kindertagesstätte

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Ingenieurinnen schwören auf Kitas

Von Sabine Philipp

Der Kampf um die klügsten Köpfe hat schon begonnen. Vor allem im technischen Bereich werden Fachkräfte händeringend gesucht. Auf der anderen Seite gibt es eine Vielzahl hoch qualifizierter Frauen, die sich vom Arbeitsmarkt verabschieden, weil sich Nachwuchs gemeldet hat. Diese Spezialistinnen können Sie in den wenigsten Fällen mit einem höheren Gehalt locken – aber mit Kindertagesstätten.

Bevor Sie mit der Einrichtung einer Kindertagesstätte (Kita) loslegen können, brauchen Sie eine gültige Betriebserlaubnis gemäß § 45 SGB VIII. Der Ablauf im Einzelnen ist unterschiedlich; laut Sächsischem Staatsministerium für Wirtschaft und Arbeit dauert das Procedere etwa acht Wochen. Den Antrag stellen Sie bei den Landesjugendämtern. Dort steht man Ihnen auch im Vorfeld mit Rat und Tat zur Seite. Mit dazu müssen Sie ein pädagogisches Konzept beilegen.

Der Ämterparcours ist damit aber noch nicht beendet. So müssen unter anderem die Bauaufsichtsbehörde und das Gesundheitsamt zu dem Ganzen eine Stellungsnahme liefern. Und auch in puncto Brandschutz sollen Sie überzeugen. Außerdem haben wird von Ihnen laut § 36 Infektionsschutzgesetz (IfSG) einen Hygieneplan verlangt. (Einen Musterplan, der Ihnen sagt, wer was wann wie zu tun hat, finden Sie z.B. als PDF beim Landesinstitut für Gesundheit und Arbeit des Landes Nordrhein Westfalen.)

Ohne Träger geht nichts

Jetzt müssen Sie sich noch einen Träger suchen bzw. einen Trägerverein gründen, unter dessen Namen das Ganze läuft. Träger sind – salopp gesagt – Vereine, die wohltätige Aufgaben übernehmen. Für die Gründung Sie mindestens sieben Personen und eine Vereinssatzung, in der steht, dass der Verein ausschließlich und unmittelbar die Allgemeinheit selbstlos fördert.

KitaG geht nach Ländern
Suchen Sie sich rechtzeitig qualifiziertes Personal, denn Sie dürfen nicht jeden auf die Kinder loslassen. Da die Betreuung der Unterdreijährigen auf Länderebene geregelt ist, sollten Sie auch noch das Kindertagesstättengesetz Ihres Bundeslandes zu Rate ziehen.

Wenn alles passt, gilt Ihre Kita als gemeinnützig, und Sie können unter anderem Spendenbescheinigungen ausstellen, was die Sache dank potenzieller Sponsoren oft preiswerter macht. Nach einer Gründungsversammlung mit Gründungsprotokoll wird das Ganze vom Notar beglaubigt und ins Vereinsregister eintragen. Auch hier hilft bei der Abwicklung das Landesjugendamt weiter.

Kooperationen halten Kosten klein

Ob es für Ihr Bundesland bzw. Ihre Kommune eine Fördermöglichkeit gibt, verrät Ihnen Ihr örtliches Jugendamt oder die Landesjugendbehörde. In manchen Ländern hängt die Unterstützung auch vom Träger der Einrichtung ab.

Es ist übrigens auch nichts einzuwenden, wenn Sie die Eltern um einen monatlichen Obolus bitten. Natürlich muss er dem Lohnniveau Ihrer Angestellten angepasst sein.

Ein bewährtes Mittel, bei der Kita Kosten zu sparen, ist die Kooperation mit anderen Unternehmen. Vielleicht bringt es auch schon was, wenn Sie nur bei Engpässen aushelfen, z.B. in den Sommerferien. So boten die Verbände vbw, BayME und VBM während der großen Ferien 2007 vier Wochen die Ferienbetreuung „Sommerkinder“ im Schloss Prüfening in Regensburg an, bei dem über hundert Kindergarten- und Schulkinder von Mitarbeitern aus den Mitgliedsunternehmen teilgenommen haben.

Beruhigte Mütter arbeiten verlässlich

Die Einrichtungskosten für eine betriebliche Kindertagesstätte sind beträchtlich. Allerdings hat die Bundesfamilienministerin nachrechnen lassen, dass die Sache mehr ist als eine gute Geste, sondern sich durchaus rechnet. An erster Stelle steht bei den Vorteilen die erhöhte Arbeitsmoral. Mitarbeiterinnen motiviert es ungemein, wenn ihr Arbeitgeber sie mit ihren Problemen nicht allein lässt, sondern sich um sie kümmert. Auf die Arbeitsleistung schlägt sich zudem nieder, dass Frauen konzentrierter arbeiten, wenn sie wissen, dass es den Kindern gut geht. Fehlzeiten, weil die Tagesmutter ausfällt, gehören ebenfalls der Vergangenheit an.

Hinzu kommt, dass das Unternehmen für Ersatz sorgen müsste, wenn eine Mutter die drei Jahre Elternzeit nimmt. Die neue Kraft müsste neu angeleitet und eingearbeitet werden und kann sicher nicht vom ersten Tag an die gleiche Leistung bringen.

Ein weiterer Punkt kann sich gerade in ländlichen Regionen stark positiv auswirken: Mit eigener Kita gelten Sie als vorbildlicher und begehrter Arbeitgeber. Bei einem starken Stand in der Familie bekommt Ihr Unternehmen so die beste Auswahl an Auszubildenden. Auch für die Außenwirkung ist das nicht das Schlechteste. Und ein positiver Bericht in der Presse ist meist auch noch drin.

Fazit: Familie verspricht Stabilität

Unterm Strich rentiert sich die Einrichtung einer eigenen Kinderbetreuung nur auf lange Sicht – dann allerdings gut. Das gilt ganz besonders dort, wo das Unternehmen als wichtiger regionaler Arbeitgeber von einem guten Image nur profitieren kann. So etwas stärkt z.B. die Position gegenüber der örtlichen Politik gewaltig, denn Ihre Angestellten stehen dann auch in anderen Entscheidungen hinter Ihnen. Für Unternehmen, die mit der Nachwuchsbetreuung ohnedies thematisch zu tun haben (etwa als Spielzeughersteller) oder selbst familiengeführt sind, gehört die Einrichtung praktisch zum guten Ton.

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