Finanzierungsalternativen im Mittelstand, Teil 2

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Eigenkapitalquote verbessern

Von Dr. rer. nat. Jürgen Kaack, STZ-Consulting Group

Gerade der mittelständische Unternehmer sollte sich prinzipiell in stärkerem Maße um eine Verbesserung der Eigenkapitalquote bemühen, z.B. durch die Gewinnung neuer Investoren. Eine ganze Reihe davon hat schon länger die Vorteile einer Beteiligung an profitablen mittelständischen Unternehmen erkannt.

Für die Beschaffung von Eigenkapital oder von Mezzanine-Kapitel (Eigenkapital ersetzenden Darlehen) gibt es sehr unterschiedliche Möglichkeiten, von denen im Folgenden einige kurz erläutert werden. Je nach Situation und Entwicklungsphase des Unternehmens ist die eine oder andere Maßnahme besser oder schlechter geeignet. Für manche Bereiche wird außerdem weiterhin das Instrument der Asset Backed Securities interessant sein. Auch bestimmte Formen der Mitarbeiterbeteiligung, wie der Investivlohn, können hier dienlich werden.

Generell ist die Finanzierungsform in Abhängigkeit vom Geschäftsmodell und dem Reifegrad des Unternehmens auszuwählen. Die folgende Übersicht erhebt dabei keinesfalls einen Anspruch auf Vollständigkeit, und auch die Grenzen zwischen den verschiedenen Finanzierungsformen sind teilweise fließend.

Nach einer kritischen Prüfung, welche Form für das Unternehmen am besten geeignet ist und ob die notwendigen Voraussetzungen erfüllt werden können, lassen sich weitergehende Informationen über eine Recherche im Internet relativ leicht beschaffen. Für die konkrete Auswahl möglicher Finanzierungspartner sollte man sich einen Kriterienkatalog anfertigen. Alles Weitere ergibt sich nach einer ersten Kontaktaufnahme.

Serie: Finanzierungsalternativen im Mittelstand
Teil 1 skizziert die Lage und stellt Werk­zeuge zur Liqui­ditäts­sicherung vor. Teil 2 widmet sich der Be­schaf­fung von Eigen­kapital und taxiert die Typen­reihe der Investoren. Teil 3 erläutert das konkrete Vor­gehen bei Kon­takt und Ver­handlung.

Mezzanine-Finanzierung

Die so genannte Mezzanine-Finanzierung wird gerne als ein Erfolg versprechendes Instrument zur Verbesserung der Eigenkapitalquote und damit der Rating-Werte gesehen. Mezzanine-Kapital bietet sehr unterschiedliche Möglichkeiten. Bei privat (ohne die Hausbank) platzierten Instrumenten sind folgende Formen üblich:

  • Nachrangige Darlehen: Durch Rangrücktritt des Gläubigers im Insolvenzfall wird das nachrangige Darlehen Eigenkapitalsubstitut (bei Sanierungsmaßnahmen üblich, auch bei Gesellschaftsdarlehen).
  • Partiarisches Darlehen: Neben einer festen Kreditverzinsung wird eine Beteiligung am Unternehmensergebnis vereinbart (die variable Komponente ist interessant neben der Mindestverzinsung).
  • Verkäuferdarlehen: Häufig anzutreffen bei Anschub- oder Akquisitionsfinanzierungen. Dabei wird ein Teil des Kaufpreises gestundet; es ist eine hierbei übliche Finanzierungsform.

Auch Genussscheine und atypische stille Beteiligungen sind grundsätzlich den Mezzanine-Finanzierungsformen zuzurechnen. Wenn man damit das operative Geschäft ausbauen kann, dann ist die Mezzanine-Finanzierung durchaus attraktiv. Für sich alleine reicht es allerdings nur in den seltensten Fällen aus, um die Eigenkapitalquote zu verbessern.

Mezzanine Finanzierungsprodukte eignen sich insbesondere zur Umsetzung von Wachstumszielen, sind aber nur in Ausnahmefällen für Unternehmensgründungen passend.

E-Book Kaack-Finanzierung.jpg
Schwarz auf Weiß
Eine ausführliche Darstellung für den Mittelstand gibt Dr. Jürgen Kaack im Ratgeber „Finanzierungsalternativen für den Mittelstand. Wie man Kapitalbedarf auch ohne klassischen Bankkredit decken kann“. Das E-Book gibt es im Pressezentrum des MittelstandsWiki als freies PDF in Vollversion zum Herunterladen.

Potenzielle Investoren

Folgende unterschiedliche Investoren kommen bei der Kapitaleinwerbung grundsätzlich in Betracht:

Venture-Capital-Gesellschaften

Venture-Capital-Gesellschaften investieren häufig in der Frühphase eines Unternehmens (Seed-Phase), aber auch in der Wachstumsphase. Das Handeln ist exit-orientiert und folgt den Anlagerichtlinien der jeweiligen Gesellschaft. Diese Unternehmen brauchen häufig Einflussmöglichkeiten auf das Geschäft, z.B. durch einen Sitz im Aufsichts- oder Beirat. Von den Investmentmanagern kann der Gründer dafür häufig qualifizierte Unterstützung beim Aufbau von organisatorischen Strukturen, einem effizienten Controlling und bei der Vorbereitung des Exits erwarten. Typische Investmentgrößen liegen zwischen 0,1 und 1,0 Mio. Euro.

In diesem Bereich sind eine Vielzahl von unterschiedlichen Unternehmen tätig, so dass eine Internet-Recherche auf jeden Fall empfehlenswert ist, um die geeigneten Gesellschaften zu identifizieren. Auch sollte die Ausrichtung und die Finanzstärke möglichst im Vorfeld ermittelt werden.

Beteiligungsunternehmen

Beiteiligungsunternehmen konzentrieren sich in der Regel auf bereits bestehende Unternehmen in der Wachstumsphase oder in Verbindung mit Nachfolgeregelungen oder Management-Buy-outs. Häufig haben diese Unternehmen einen weiteren Anlagehorizont als die Venture-Capital-Unternehmen: Sie verfolgen neben dem Exit auch Dividendenziele, und die Beteiligungsgrößen sind typischerweise größer.

Bankgebundene Beteiligungsgesellschaften

Sie verfolgen häufig Ziele, die zwischen den Venture-Capital- und den Beteiligungsgesellschaften angesiedelt sind. Meistens ist der regionale Fokus bei Beteiligungen ausgeprägter als eine Branchenfestlegung. Die Anlagehöhe entspricht eher derjenigen der Venture-Capital-Unternehmen.

Finanzierungen in der Seed-Phase sind teilweise möglich, in der Regel liegt der Fokus aber auf der Wachstums- und Nachfolgefinanzierunge. Bei der Suche nach einer Finanzierung lohnt es sich auf jeden Fall, auch die eigene Hausbank anzusprechen. Die Betreuungsqualität ist von Institut zu Institut sehr unterschiedlich und reicht von einer aktiven Mitwirkung in den Gremien der Gesellschaft bis hin zu einer Beschränkung auf ein regelmäßiges Reporting.

Corporate-Venture-Gesellschaften

Sie verfolgen bei der Anlage häufig strategische Ziele neben den Exit-Zielen. Es handelt sich um Beteiligungsgesellschaften, die als Tochtergesellschaft zu einem Industrieunternehmen gehören; der Fokus der Beteiligung liegt oft in technologieorientierten Start-up-Unternehmen, die später bei erfolgreicher Entwicklung mögliche Partner der Muttergesellschaften werden können oder deren Produktideen Synergien versprechen. Die Betreuungsqualität ist dabei allerdings nicht immer so intensiv und hochwertig, wie der Begriff „Muttergesellschaft“ suggeriert.

Da die Verschlechterung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen häufig auch die Mutterhäuser von Corporate-Venture-Gesellschaften getroffen hat, wurden stellenweise die Engagements reduziert und Budgets für neue Investitionen begrenzt. Einige Corporate-Venture-Gesellschaften gehen überhaupt keine neuen Engagements mehr ein.

Industrieunternehmen

Selbst Industrieunternehmen treten mitunter als Investoren auf, auch wenn sie hierzu keine spezielle Venture-Capital-Gesellschaft geschaffen haben. Bei den Beteiligungen liegt der Fokus fast immer auf Synergien zum eigenen Geschäft, z.B. für die Nutzung und Sicherung von Technologien und Verfahren. Chancen auf eine Finanzierung haben daher eher etablierte Unternehmen, die eine mittelfristige Übernahme der Mehrheit des Beteiligungsunternehmens anstreben. Der Einfluss auf die Geschäftsführung ist bei dieser Ausrichtung in der Regel recht hoch.

Business Angel

Business Angels sind insbesondere für Unternehmen in der Gründungsphase interessant. In der Regel handelt es sich um ehemalige Unternehmensführer, die jungen Unternehmen mit Kapital und Rat helfen. Die Beteiligungsgröße ist meistens niedriger als bei den Venture-Capital-Unternehmen. Anstatt starrer Anlageregeln entscheidet der „Geschäftsengel“ aus der eigenen Erfahrung, nach Intuition und seinen eigenen Regeln. Bei der üblicherweise sehr engen Zusammenarbeit sollte die Auswahl von beiden Seiten sehr sorgfältig erfolgen, da hier die „Chemie“ zwischen den Personen eine wichtige Rolle spielt.

In der weiteren Entwicklung des Unternehmens kommen in der Regel andere Investoren aus den anderen genannten Segmenten hinzu. Für Gründer sind daher insbesondere solche Business Angels interessant, die mit bestehenden Kontakten auch für die späteren Phasen helfen können. Es gibt verschiedene Netzwerke, in denen Business Angel organisiert sind, so dass der Kontakt leicht hergestellt werden kann.

In vielen Städten gibt es außerdem regelmäßige „Stammtische“, bei denen Gründer ihre Geschäftsideen vorstellen und vor einem Kreis von verschiedenen potenziellen Investoren testen können. Alleine die hierbei schnell erhältlichen Rückmeldungen zum Geschäftskonzept und zur Präsentation lohnen für viele Gründer den Aufwand. Tatsächlich haben schon viele Gründer auf diesem Wege Investoren gefunden.

Fondsverwaltungen

In unterschiedlichster Form und Größe suchen Fondsverwaltungen immer wieder attraktive Anlagemöglichkeiten für ihre Investoren. Einige gehen dabei auch oder ausschließlich Beteiligungen an jungen Unternehmen ein. Da diese Gruppe sehr heterogen ist, sind auch unterschiedliche Anforderungen und Rahmenbedingungen anzutreffen. Meistens ist die Einwirkung auf das regelmäßige Reporting begrenzt. Die Anlageziele können sowohl im Bereich eines Exits wie in der Erzielung langfristig attraktiver Renditen liegen.

Serie: Fördermittel für KMU
Teil 1 sichtet den Förder­dschungel im Über­flug: Was wird ge­fördert? Wer fördert? Wie wird ge­fördert? Teil 2 zeigt, welche Mög­lich­keiten Gründer haben, und sagt, was sie bei der Be­wer­bung be­achten müssen. Teil 3 unter­sucht, welche be­son­deren Mit­tel es für Inno­vation und mo­derne Techno­logien gibt und wie gute Ideen am besten an­kommen. Extra-Beiträge spüren außer­dem Zuschüsse von Bund und Ländern auf, sehen sich nach Inter­natio­nalen Förder­mitteln um, prüfen die Förder­program­me der KfW Mittel­stands­bank und ver­raten, worauf Sie bei der Ab­wicklung über die Haus­bank achten sollten.

Antrag und Einwerbung

Einen gewissen Sonderfall stellen Förderbanken dar. Sie bieten geeigneten Unternehmen Kredite, Mezzanine-Mittel oder auch offene Beteiligungen an. Die Bedingungen für eine Beteiligung hängen von dem jeweiligen Programm ab.

Ein wichtiger Anbieter von Fördermitteln ist die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Hier kann das Unternehmen je nach Geschäftsmodell finanzielle Unterstützung schon für die Erstellung des Business Plans finden. Junge Unternehmen können Zuschüsse zu innovativen Entwicklungsvorhaben erhalten, wenn sie die Anforderungen erfüllen und den Antragsprozess durchlaufen haben. Neben der finanziellen Unterstützung fördert die KfW auch den Einsatz von erfahrenen Beratern bei der Gründung oder bei Problemen mit entsprechenden Zuschüssen.

Das konkrete Vorgehen bei der Antragstellung ist hier freilich stark formalisiert. Gründliche Vorbereitung ist aber in jedem Fall erforderlich, auch gegenüber anderen Investoren. Wie Sie dabei am besten Vorgehen, erläutert Teil 3.

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