Praktische Tipps für Start-ups

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Ab Markteintritt gibt es kein Zurück mehr

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Von Julius Pankoke, SmartBusinessPlan

Gründen ist voll im Trend. Eine gute Idee und der feste Wille reichen aus, um einen zum Gründer zu machen. Kein Wunder ist daher, dass sich immer mehr Leute am Start-up versuchen. Angetrieben durch die Erfolgsgeschichten von Zalando & Co. träumen viele vom selbstbestimmten Erfolg. Was aber von außen vielleicht einfach aussieht, ist ein hartes Stück Arbeit.

Gründer müssen meist viel Geld und viel Zeit investieren. Ein erfolgreiches Unternehmen aufzubauen, gelingt oft erst nach langen, aufreibenden Jahren. Damit verbunden ist zudem ein sehr hohes Risiko, am Ende mit leeren Händen oder gar mit Schulden dazustehen.

Sechs Tipps gegen typische Start-up-Fehler

Von den vielen neu gegründeten Unternehmen schaffen es nur die wenigsten, langfristig erfolgreich zu sein. Die Gründe hierfür sind vielfältig, aber zumindest zum Teil vermeidbar. Damit Sie nicht die Fehler unzähliger Vorgänger wiederholen: hier sechs Empfehlungen, wie man sein Start-up vor dem Scheitern bewahrt.

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Julius Pankoke hat einen Abschluss in Wirtschaftswissenschaften und lebt in Berlin. Seine Spezialgebiete sind Entrepreneurship und Business Development. Julius teilt sein Wissen gern mit Gründern und Start-ups bei SmartBusinessPlan.


SmartBusinessPlan, ein Gemeinschaftsprojekt von evers & jung GmbH und individee GmbH, Tel. 030-6098532-50, support@smartbpapp.com, smartbusinessplan.de

Marktforschung

Die fehlende Validierung eines realistischen Kundenbedarfs gilt als der Start-up-Killer Nummer 1. Vor allem Gründer, die absolut von ihrem Produkt überzeugt sind, tappen immer wieder in diese Falle. Sie tüfteln ewig an ihrem Produkt, ohne zu wissen, ob es überhaupt einen Bedarf bedient und ob Kunden bereit sind, den gewünschten Preis dafür zu zahlen.

Bleiben die Umsatzzahlen dann hinter den Erwartungen zurück, hat der Gründer nur durch extreme Marketing-Maßnahmen überhaupt noch eine Chance, erfolgreich zu werden.

Die Lösung: Die Geschäftsidee in klaren Worten grob umreißen und zumindest in einer komprimierten Form aufschreiben (z.B. als Pitch Deck oder mit einem Business Model Canvas); dann einen Prototyp fertigstellen oder die Dienstleistung skizzieren. Jetzt kann man seine Kundschaft leicht eingrenzen und sich auf die Suche nach ihr machen. Dadurch, dass Sie dem Kunden das Produkt direkt präsentieren, kann dieser wiederum verraten, ob und für welchen Preis er es kaufen würde. Stimmt der Preis mit den eigenen Schätzungen überein, können Sie loslegen. Tut er das nicht, müssen Sie das Produkt weiterentwickeln oder verändern.

Finanzplanung

Kein Start-up funktioniert ohne Investitionen. Das kann Eigenkapital sein, aber meist ist zumindest ein Teil Fremdkapital. Dieses Fremdkapital kann aus verschiedenen Quellen kommen (z.B. Banken, Investoren). Hier besteht die Gefahr, dass das Unternehmen schon scheitert, bevor es überhaupt gegründet wurde. Können Sie nämlich die Bank oder den Investor nicht von der wirtschaftlichen Machbarkeit des Projektes überzeugen, fehlt es wahrscheinlich an den nötigen Mitteln für die Gründung.

Die Lösung: ein durchdachter und realistischer Finanzplan. In einem Finanzplan werden detailliert sämtliche wirtschaftlichen Faktoren für die kommenden Geschäftsjahre aufgeführt. Prognosen zu Punkten wie Umsatz, Kosten, Rentabilität und Liquidität gehören ebenfalls zu einem guten Finanzplan. Der Plan erlaubt es potenziellen Investoren zu prüfen, ob die Geschäftsidee tragbar oder nur Wunschdenken ist.

Teamgründung

Ein erfolgreiches Start-up ist selten ein Ein-Personen-Unternehmen. Spätestens mit dem aufkommenden Erfolg ist eine Teamerweiterung unabdingbar. Ein gut abgestimmtes Team ist ein Segen, da man als Gründer wichtige Aufgaben delegieren kann. Ein schlecht abgestimmtes Team hingegen bringt jedes Projekt zum Stillstand. Neben den beruflichen Aspekten (Hard Skills) sollten die Teammitglieder auch menschlich zueinanderpassen (Soft Skills), da man sonst mit unnötigen Konflikten Energie verschwendet. Meist entstehen Konflikte, wenn Mitarbeiter nicht oder zu sehr ausgelastet sind. Beides verursacht Unzufriedenheit.

Die Lösung: Die Einstellung von Mitarbeitern und die daraus folgende Teamgründung sollten Sie – wie alles andere im Unternehmen – planen. So gilt es zu klären, welcher Bedarf im Unternehmen besteht und wie viele Mitarbeiter Sie brauchen werden, um diesen Bedarf zu befriedigen. Darauf sollte eine Kosten-Nutzen-Rechnung folgen, denn Personal ist einer der größten Kostenpunkte neuer Unternehmen. Die Ernennung von CTOs, CMOs, COOs sollte man sich sparen, solange diese keine Abteilungen zu leiten haben.

Konkurrenzanalyse

Bevor Sie Ihr Produkt auf den Markt bringen, müssen Sie klären, ob auf dem Markt überhaupt noch Platz für einen Mitspieler ist. Um sich von der Konkurrenz zu unterscheiden und so einen Vorteil zu erringen, braucht man ein Alleinstellungsmerkmal. Fehlt dieses, wird es schwerer, sich gegen etablierte Marktteilnehmer durchzusetzen.

Die Lösung: Als Erstes muss eine Konkurrenzanalyse durchgeführt werden. Auf diese Weise finden Sie heraus, welche Konkurrenten in welcher Form die Bedürfnisse der Kunden befriedigen. Das Alleinstellungsmerkmal sollte jetzt ein Faktor sein, den die Konkurrenz noch nicht bedient. Ein geringer Preis, außergewöhnliche Qualität oder besondere Funktionen können Alleinstellungsmerkmale sein.

Eine oft ignorierte Möglichkeit des Konkurrenzkampfes ist übrigens die Kooperation. Durch das Kooperieren mit der Konkurrenz können beide Partner Vorteile mitnehmen, statt sich gegenseitig zu behindern.

Geschäftsmodell

Viele Unternehmen scheitern an überraschenden Ereignissen. Ein übersehener Konkurrent, besondere Steuern oder plötzlich steigende Kosten können zum Totalausfall führen. Diese Überraschungen sind meist die Folgen unzureichender Planung. Gründer, die sich nicht intensiv mit allen Aspekten ihres Unternehmens auseinandersetzen, verringern ihre Erfolgschancen massiv.

Die Lösung: Zwar können Sie Überraschungen nicht gänzlich ausschließen, doch können Sie sich vor den meisten schützen. Ein guter Weg ist das Aufschreiben: Indem man einen kompletten Business-Plan schreibt, zwingt man sich, sich mit allen Aspekten des Unternehmens zu beschäftigen. Ein weiterer Pluspunkt ist, dass der Business-Plan bei der Akquise von Fremdkapital hilft. Gerade in Deutschland ist er bei Banken- und Sparkassenfinanzierungen immer Voraussetzung.

Durchhaltevermögen

Gründen ist hart. Es bedarf einer langfristigen, hohen Anstrengung, sein Unternehmen zum Erfolg zu führen. Nicht nur der Körper, vor allem der Geist ist konstant gefordert. Mit dem Ausblick, den Break-even erst in mehreren Jahren zu erreichen, kann der konstante Stress ernsthafte Folgen für die Gesundheit haben. Schlafstörungen, Gereiztheit und Burn-out sind nur Beispiele für mögliche Folgen. Vor allem bei Neugründungen bedeutet ein längerer Ausfall des Gründers meist das Aus für das Start-up.

Die Lösung: Gleichgewicht. Es bedarf einer gesunden Work-Life-Balance, um diese Belastung durchzuhalten. Eine klare Trennung von Privatem und Geschäftlichem ist hierbei sehr hilfreich, aber erfahrungsgemäß auch schwer umsetzbar. Denn die meisten Gründer arbeiten sehr viel mehr als 40 Stunden die Woche. Dabei sollte gründen nicht heißen, die eigenen Hobbys aufzugeben. Gerade in der Freizeit, wenn Sie den Kopf freibekommen, schöpfen Sie neue Kraft für das Arbeitsprojekt und haben vielleicht die ein oder andere zündende Idee. Nimmt man sich Zeit für sich und die eigene Gesundheit, kehrt man danach erfrischt und sehr viel effizienter an die Arbeit zurück.

Serie: Innovations- und Gründerzentren
Der Einführungsbeitrag gibt eine erste Übersicht für Gründer und Start-ups. Dabei interessiert auch die Frage, wie sich die Locations auf den eigenen Erfolg und die Karriere auswirken. Teil 1 stellt dann konkrete Beispiele aus Berlin, Hamburg und anderen Orten im deutschen Norden und Osten vor. Teil 2 geht nach Köln, Dortmund, Mainz und Gummersbach, um die Technologiezentren an Rhein und Ruhr zu sichten. – Weitere Reports aus anderen Regionen sind in Arbeit. Ein Sonderbeitrag gibt außerdem schon Auskunft über die Start-up-Szene in Österreich.

Fazit: Machen Sie es nicht zu spannend!

Wenn Sie die hier aufgezeigten Lösungen konsequent umsetzen und weiterverfolgen, können Sie einige der klassischen Hürden niedriger legen oder sogar ausschalten. Vor allem das typische „Verstecken“ des neuen Produkts vor dem Kunden bis zum „großen Moment“ sollte wohlüberlegt sein – gerade hier sind schon viele Gründer auf die Nase gefallen, da außer ihnen niemand einen Bedarf erkannt hat.

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