IT-Skills

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Gesucht wird, wer wand­lungs­fähig ist

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Von Mehmet Toprak

Da könnten wohl einige neidisch werden, wenn sie sich den Arbeits­markt für IT-Fach­leute ansehen. Denn wer heute um­fassendes High­tech-Wissen vorzu­weisen hat und bereit ist, konti­nuierlich dazu­zulernen, muss sich keine Sorgen um den nächsten Job machen. Vor allem in Banken, Automobil­industrie, Tele­kommunikation, Ver­sicherung und Behörden werden IT-Experten intensiv gesucht. „Die Nach­frage nach IT-Fach­euten bewegt sich […] auf Höchst­niveau“, heißt es im Arbeits­markt­bericht der Bundes­agentur für Arbeit (BA). Das gilt sowohl für Fest­anstel­lungen wie auch für Free­lancer. Laut BA gibt es derzeit 687.000 sozial­versicherungs­pflichtige IT-Beschäftigte, und nach Angaben des Beratungs­hauses Lünen­donk waren 2014 allein in Deutsch­land 92.000 IT-Fach­leute frei­beruflich tätig. Sie generierten damit einen Um­satz von 9,2 Mrd. Euro. Wer also ein Studium der Informatik oder Wirtschafts­informatik in der Tasche hat und möglicher­weise die eine oder andere Zusatz­qualifikation, der hat auf dem Arbeits­markt beste Chancen.

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Was läuft – und was nicht?

Zentraler Jobmotor ist derzeit die digitale Transformation. „Bei Unternehmen ist eine richtige Welle in Gang gekommen“, meint Simon Alborz, Bereichsleiter Festanstellungsgeschäft IT beim Personaldienstleister Hays. Viele Unternehmen in Deutschland haben bei der Digitalisierung einen enormen Nachholbedarf und suchen deshalb nach Fachkräften, die Hard Skills mit betriebswirtschaftlichem Denken und sozialen Kompetenzen verbinden. Sie sollen helfen, digitale Dienste in vorhandene IT-Landschaften zu integrieren, Innovationen im Unternehmen aufzubauen und komplette Arbeitsabläufe von analog auf digital umzustellen. Das Erfolgsrezept für die Karriere lässt sich also auf die Formel „Fachwissen plus betriebswirtschaftliches Denken plus Soft Skills“ bringen.

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Schwarz auf Weiß
Dieser Bei­trag erschien zuerst in unserer Magazin­reihe „IT & Karriere“. Einen Über­blick mit Down­load-Links zu sämt­lichen Einzel­heften bekommen Sie online im Presse­zentrum des MittelstandsWiki.

Die Suche nach den angesagtesten Skills ist also gar nicht so schwierig. In der Regel lassen die sich einfach aus den aktuellen IT-Trends ableiten. Salopp ausgedrückt: Was als Thema auf der CeBIT gehypt wird, sorgt auch für Jobs bei den Fachkräften. So gehört zu den gesuchten Qualifikationen etwa immer noch solides Know-how im Cloud-Bereich. Dabei geht es aber weniger um technisches Detailwissen, vielmehr sollte der Cloud-Experte das Geschäftsmodell und die Arbeitsabläufe im Unternehmen gut kennen und seine Cloud-Konzepte darauf abstimmen.

Ein weiteres Beispiel ist das Thema IT Security. Einerseits gehört Sicherheit zu den Klassikern, andererseits hat das Thema im Zeitalter von Mobile Payment und Smartphone-Apps enorm an Bedeutung gewonnen. „Vor allem die Fintech-Start-ups suchen nach Spezialisten für IT-Sicherheit“, meint Hays-Manager Alborz. Ein bisschen Patina angesetzt, aber immer noch beliebt: der Web Developer. Der wird natürlich schon lange nicht mehr benötigt, um dem Unternehmen eine Webpräsenz aufzubauen. Er muss heute vielmehr etwas von Suchmaschinenoptimierung verstehen und die Website in eine offene Plattform für die Kommunikation mit den Kunden verwandeln.

Rege Nachfrage herrscht auch im Bereich mobile Apps. Immer mehr Unternehmen basteln an Smartphone-Apps, damit die Kollegen ihre Aufgaben auch unterwegs anpacken können. Simon Alborz sagt: „Ein guter App-Entwickler für iOS oder Android gehört zu den meistgefragten Leuten.“ Kompetenzen im Bereich Big Data bzw. Business Analytics gelten ebenfalls als Karriereturbo. Zwar fällt den Unternehmen das Datensammeln leicht, doch die Auswertung ist eine andere Sache. Data Scientists, die in der Lage sind, die riesigen Informationsmengen zu analysieren, darin Muster zu erkennen und das Material für das Management verständlich aufzubereiten, sind eher rar.

Der Boom bei den IT-Jobs wird aber nicht nur von aktuellen Trends gespeist, auch Fachleute mit klassischen IT-Fertigkeiten, wie z.B. Datenbankspezialisten, Helpdesk-Mitarbeiter, IT-Administratoren oder Netzwerkmanager, können nicht über Unterbeschäftigung klagen. Nicht mehr ganz so heiß gehandelt werden derzeit Social-Media-Experten. Schließlich haben die meisten Unternehmen bereits ihren eigenen Twitter- und Facebook-Beauftragten installiert. Gesucht werden Social-Media-Spezialisten natürlich immer noch im Bereich PR und Marketing.

Den Wandel moderieren

Beim Gespräch mit Managern von Personaldienstleistern wie Hays oder Goetzfried oder Personalverantwortlichen in großen Unternehmen tauchen immer wieder zwei Begriffe auf, die nicht unmittelbar mit IT-Skills zu tun haben, aber trotzdem ein wichtiger Karrierefaktor sein können: agile Software-Entwicklung und Change Management. Bei Letzterem geht es darum, sämtliche durch die digitale Transformation anfallenden Änderungen in den Geschäftsprozessen und Arbeitsweisen zu berücksichtigen. Denn es ist wichtig, dass alle Mitarbeiter in das neue Konzept einbezogen und entsprechend motiviert werden.

Agile Softwareentwicklung soll hingegen die Entwicklungsprozesse schneller, schlanker und flexibler machen. Auftretende Probleme, etwa bei der Arbeitsweise von Mitarbeitern, werden möglichst schon in der Entwicklungsphase bedacht. Bei der Software-Entwicklung gibt es exklusive Konzepte, deren Kenntnis die IT-Karriere fördern kann. Dazu gehören Scrum, Design Thinking und DevOps.

Unter Scrum versteht man eine Vorgehensweise der agilen Softwareentwicklung, bei der man darauf verzichtet, das Projekt von A bis Z durchzuplanen, und stattdessen auf Zwischenergebnisse setzt. Nach jedem Zwischenergebnis lässt sich mit kontinuierlichen Verbesserungen und Modifikationen das Ziel neu anpeilen. Design Thinking stellt die kreative Zusammenarbeit von Mitarbeitern aus unterschiedlichen Disziplinen in den Mittelpunkt. Diese sollen „gemeinsam eine Fragestellung entwickeln, die Bedürfnisse und Motivationen von Menschen berücksichtigen, und dann Konzepte entwickeln, die mehrfach geprüft werden“, wie Tim Brown sinngemäß in einem MIT-Video erklärt. Auch bei DevOps – ein Kofferwort aus Development und (IT-)Operations – spielt die Abstimmung verschiedener technischer und organisatorischer Prozesse eine zentrale Rolle. Damit soll die Entwicklung qualitativ hochwertiger Software in verkürzten Arbeitsabläufen und das Zusammenspiel der beteiligten Teams verbessert werden.

Apps und Tools, die Punkte bringen
Bei vielen Bewerbern stehen sie immer noch im Lebenslauf: die „guten Kenntnisse“ von Office-Anwendungen, Internet-Browsern oder Outlook. Personalchefs kann man damit heute nicht mehr beeindrucken. „Wir müssen schmunzeln, wenn ein Bewerber im Lebenslauf seine ‚guten Word-Kenntnisse‘ anpreist. Das ist dann fast kontraproduktiv“, meint Simon Alborz vom Personaldienstleister Hays. Der sichere Umgang mit Outlook, Office-Programmen oder Browsern wird mittlerweile schlicht vorausgesetzt.

Pluspunkte gibt es höchstens, wenn man bei Office-Programmen fortgeschrittene Talente hat, also beispielsweise Office 365 in allen Nuancen beherrscht oder problemlos mit Formeln in Excel-Tabellen umgehen kann. Im Bereich Präsentation ist zwar PowerPoint nach wie vor der Standard, es gibt allerdings spannende Alternativen, die vor allem in der Start-up-Szene populär sind. Damit lassen sich sehr schnell elegante Präsentationen aufbauen. Die Programme sind teilweise Cloud-basiert und arbeiten oft mit Animationen, 3D-Clips oder Figuren im Cartoon-Stil. Zu diesen PowerPoint-Alternativen zählen Programme wie Prezi, PowToon, Haiku Deck oder Emaze. Diese Tools sind vielleicht weniger für das ausführliche Fachreferat geeignet, aber ideal für den schnellen Pitch beim Kunden.

Coole Präsentationen gibt es auch als App. Mit Adobe Spark Video (bisher als Adobe Voice bekannt) etwa generiert man auf dem iPad oder iPhone auf einfachste Weise Videopräsentationen, für die Adobe eine reichhaltige Sammlung aus Icons bereitstellt. Der Nutzer kann Text oder Musik einfügen oder eine Moderation einsprechen. Wer seine Präsentation mit solchen Tools gestaltet, schlägt jeden PowerPoint-Vortrag um Längen.

Ein anderes Feld, auf dem sich der IT-Mitarbeiter profilieren kann, bilden Projektmanagement und Collaboration. Je mehr in Unternehmen die Mitarbeiter eines Teams an getrennten Orten arbeiten – der eine im Home Office, der andere im Büro, der dritte im Ausland –, desto wichtiger wird die Beherrschung entsprechender Tools. „Bewirbt man sich bei einem Unternehmen aus dem digitalen Umfeld oder bei Konzernen, dann sind Kommunikationstools wie beispielsweise Skype for Business, Slack oder Yammer oder auch Outlook.com hilfreich“, erklärt Hans Joachim Jänichen, Manager Academy & Innovation beim IT- und Engineering-Dienstleister Goetzfried. Mithilfe dieser Messaging-Tools lassen sich die Zusammenarbeit und die Kommunikation im Team besser organisieren. Wer Anwendungen wie diese beherrscht oder sogar für das Team einrichten kann, sammelt reichlich Pluspunkte.

Teamplayer statt Nerds

Wer mit den genannten Konzepten Erfahrung hat, ist als Fachkraft ganz vorne mit dabei. Denn eine erfolgreiche IT-Karriere baut nicht mehr allein auf spezialisiertem Know-how auf. „Die Zeiten, in denen es gereicht hat, sein Fachwissen einzusetzen, sind vorbei. IT-Experten sollten heute in der Lage sein, betriebswirtschaftlich zu denken und ein Stück weit auch die Branche verstehen“, meint Lünendonk-Partner Mario Zillmann. In diesem Zusammenhang wichtiger denn je sind die viel zitierten Soft Skills und sozialen Kompetenzen. Es genügt nicht, dass man ein netter Kerl ist und mit allen Kollegen gut kann. Gefragt ist vielmehr eine Kombination aus Durchsetzungsvermögen, sympathischem Auftritt und zielorientierter Kommunikationsfähigkeit.

Da die meisten IT-Projekte in Gruppen organisiert sind, wird Teamfähigkeit immer wichtiger. Und damit treten klassische soziale Kompetenzen ebenfalls zu den erforderlichen Qualifikationen: Kommunikations- und Konfliktfähigkeit, motivieren und kooperieren, Feedback geben und annehmen sind einige der wichtigsten Voraussetzungen für erfolgreiche Teamarbeit. Schnell kann es passieren, dass der IT-Fachmann zum Projektleiter aufsteigt, was die Anforderungen an die Soft Skills noch einmal erhöht. Ein Teamleiter muss wissen, auf welchen Kanälen er die einzelnen Mitarbeiter am besten anspricht (E-Mail, Chat, Telefon oder im persönlichen Gespräch), er muss die Kollegen motivieren, immer den richtigen Ton finden, an der richtigen Stelle loben, auch vor kritischem Feedback nicht zurückschrecken und delegieren können. Wer darüber hinaus noch in der Lage ist, technische Produkte oder Lösungen in einem Text verständlich zu erklären, beispielsweise für ein Bedienhandbuch, der ist schon beängstigend nahe an der Perfektion.

Fazit: Mein Einsiedlerdasein hat ein Ende

„Sozialkompetenz ist für externe Fachleute oder IT-Berater heute wichtiger denn je, weil sie stärker mit Kunden interagieren als früher“, sagt Lünendonk-Partner Mario Zillmann. Und das bestätigt auch Enno Jackwerth, Arbeitsdirektor der deutschen Niederlassung des IT-Riesen Fujitsu. „Aktuell sind bei uns Kompetenzen in den Bereichen IT-Sicherheit, SAP HANA und Business Intelligence sowie rund um OpenStack und im Cloud-Umfeld gefragt. Allerdings legen wir großen Wert auf die Soft Skills unserer Mitarbeiter.“ Die Betonung der Soft Skills hat nicht zuletzt mit der Globalisierung der Berufswelt zu tun. Diese erfordert laut Jackwerth „die Bereitschaft, sich in einer internationalen Arbeitswelt zurechtzufinden“. Soziale Kompetenz ist eben heute immer auch interkulturelle Kompetenz. Das Klischee vom soziopathischen Technik-Nerd mag in TV-Serien amüsant wirken, im realen Arbeitsleben allerdings lachen Vorgesetzte vielleicht über, aber nicht mit IT-Nerds.

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