Massive Open Online Courses

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Online-Semester im MOOC-Ausland

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Von Stefan Probst, OSBF, und der MittelstandsWiki-Redaktion

Dass das Lernen aus der Ferne nicht nur ein kurzfristiger Trend ist, belegen die Zahlen der bekannten Fernuniversität Hagen: In den vergangenen sieben Jahren hat sich die Zahl der eingetragenen Studierenden verdoppelt, auf derzeit über 88.000, Tendenz weiter steigend.

Kostenlos studieren, ohne Aufnahmeprüfungen, von überallher und zu jeder Zeit – was nach einem Traum vieler Wissbegieriger klingt, ist unter dem Stichwort Open Education bereits Realität. Vor allem in den USA, aber auch in Europa haben sich bekannte Institute und Universitäten auf dem Gebiet der MOOCs (Massive Open Online Courses) hervorgetan, etwa die Khan Academy von Salman Khan, das MIT (Massachusetts Institute of Technology) mit OpenCourseWare und dem Gemeinschaftsprojekt edX, das zusammen mit der Harvard University und der Berkeley University of California entstand, das openHPI des Hasso-Plattner-Instituts oder die digitale Universität Udacity des ehemaligen Stanford-Professors Sebastian Thrun. Sie alle ermöglichen Weiterbildung auf höchstem Niveau für jedermann.

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Studieren ohne Grenzen

Internet-Zugang und E-Mail-Adresse sind meist die einzige Voraussetzung für den Zugang zu den Studiengängen und Kursen aller Couleur. Im Gegensatz zum klassischen Fernstudium gibt es hier jedoch keinen aufwendigen Versand von Studienmaterial in Papierform. Download, Streaming und Interaktivität stellen die Werkzeuge und die Materialien.

Aus derzeitiger Sicht bildet die Plattform Coursera den Höhepunkt der Open-Education-Idee. Dort bieten bereits über 80 renommierte Universitäten aus aller Welt hochwertige Inhalte an. Bereits mehr als 4 Mio. Studierende aus 190 Ländern „besuchen“ – völlig kostenlos – die über 400 Studiengänge in mehr als 20 verschiedenen Kategorien und erhalten in vielen Fällen sogar ein qualifizierendes Abschlusszertifikat.

Damit dürften es traditionelle Angebote auf Dauer zunehmend schwer haben, im Bildungsbereich zu bestehen bzw. hohe Studiengebühren zu rechtfertigen – vor allem dann, wenn Elite-Universitäten weiterhin kostenlos im MOOC-Sektor tätig sind und selbst renommierteste europäische Institute mit von der Partie sind, etwa die Technische Universität München, die Eidgenössische Technische Hochschule Zürich oder die Technische Universität Delft, um nur einige zu nennen.

Apps für den Unterricht

Selbst Apple mischt im MOOC-Sektor mit und bietet mit iTunes U ebenfalls eine Plattform für kostenlose Lerninhalte; sie bestehen aus Audiodateien und Videos, Präsentationen, Dokumenten, PDFs, ePub-Büchern, iOS Apps und Weblinks. Der Zugriff erfolgt entweder über den iTunes Store oder die eigene iTunes U App für iPhone und iPad. Apple-Angaben zufolge sind derzeit bereits mehr als 500.000 Lernmaterialien online abrufbar.

Davon sind allerdings nicht alle frei verfügbar, denn mithilfe des iTunes U Course Managers können Lehrkräfte sehr einfach „geschlossene“ Kurse erstellen und sie privat und kostenlos an ihre Schüler und Studenten verteilen, unabhängig davon, was und von wo aus sie unterrichten. Ohne öffentliche iTunes-U-Website können sie maximal zwölf Kurse mit jeweils bis zu 50 Schülern bzw. Studierenden pro Kurs einstellen.

Öffentlich zugängliche Angebote, auf die jeder zugreifen kann, gibt es derzeit aus 26 Ländern, von Schulen, Instituten und Hochschulen, darunter viele renommierte, wie etwa Stanford, Yale, Oxford, UC Berkeley oder das MIT. Auch aus Europa finden sich viele Angebote, alleine aus Deutschland sind knapp 30 zu finden.

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Schwarz auf Weiß: Dieser Beitrag erschien zuerst in unserer Magazinreihe. Einen Überblick mit Download-Links zu sämtlichen Einzelheften bekommen Sie online im Pressezentrum des MittelstandsWiki.

Online ist aktueller

Zur Kostenfrage, der Lernfreiheit und der Anbindung an die ITK-Welt, in der viele Jüngere heimisch sind, kommt noch ein weiteres Pro-Argument hinzu: Die alte Universitätslehre kann in Aktualität und Innovationsgrad mit den Online-Kursen kaum mithalten. MOOCs punkten vor allem mit fast endlos hoher Skalierbarkeit und einer Qualitätssicherung durch das Peer-Review-Prinzip, das die Inhalte ständig überprüft.

Das bedeutet auch, dass die Kurse extrem durchlässig für hochaktuelle Inhalte sind. Und das ist dringend nötig – im Schnitt verdoppelt sich das verfügbare Wissen innerhalb eines technischen Ingenieurstudiums alle 24 Monate. Mit dieser Geschwindigkeit können herkömmliche Institutionen kaum Schritt halten, zumal sie in der Regel nach zentral vorgegebenen Richtlinien agieren (müssen). Solch starren Formaten läuft Open Education mit Community-getriebenen, vernetzen Inhalten, die mit relativ geringem Aufwand kontinuierlich das neueste Wissen ergänzen und kombinieren können, einfach davon.

Open Education online

  • Apple iTunes U ist eine von Apple eingerichtete Plattform für E-Learning, mit eigener iPhone- und iPad-App, eigenen Angaben nach die größte Sammlung an kostenlosen Lerninhalten: www.apple.com/de/education/itunes-u/.
  • edX (MITx, HarvardX, BerkeleyX, UTx) ist eine offene MOOC-Plattform mit hochwertigen kostenlosen US-Kursen: www.edx.org.
  • Die Khan Academy umfasst eine Riesensammlung kostenloser Lehrfilme aus den Bereichen Mathematik, Naturwissenschaften, Geschichte und Wirtschaft: http://de.khanacademy.org.
  • NovoEd begann als Ableger der Stanford University und ist heute eine Plattform mit kostenlosen und kostenpflichtigen Kursen aus vielen Bereichen: https://novoed.com.
  • OER ist eine Plattform für frei verfügbare Lernmaterialien: www.oercommons.org.
  • Open Courseware Consortium ist eine weitere Plattform für Online-Kurse: www.ocwconsortium.org.
  • openHPI heißt die Bildungsplattform des Hasso-Plattner-Instituts mit interaktiven Online-Kursen zur Informationstechnologie: https://openhpi.de.
  • P2PU ist die von der Open Community betriebene freie Universität im Web: https://p2pu.org/en/.
  • Udacity bietet Online-Kurse auf hohem Level: www.udacity.com.
  • Wikiversity.org ist die Plattform der Open Learning Community, mit vielen Infos zu MOOCs.

Fazit: Akzeptanz und Anerkennung

Wie lange dies alles noch kostenlos zu haben sein wird, ist aber fraglich. Man darf getrost davon ausgehen, dass ein Umdenken erfolgt, sobald wesentliche Nutzerzahlen und Marktanteile erreicht sind. Zumindest ein Teil der Kurszertifikate dürfte dann nicht mehr komplett kostenfrei bleiben. Da hier aber Millionen von Studierenden als Kunden winken, dürften die Preise im Vergleich zu internationalen Ausbildungskosten verschwindend gering bleiben. Im Gespräch sind derzeit etwa 99 US$ pro Kurszertifikat – durchaus bezahlbar. Zugangsbeschränkungen soll es dem Vernehmen nach weiterhin keine geben. Jeder, der lernen will, darf auch.

Eines darf man allerdings nicht außer Acht lassen: Ein klassisches Studium oder Fernstudium können die Kurse (noch) nicht ersetzen. Selbst wenn man im besten Fall ein gesichertes Zertifikat über die erfolgreiche Teilnahme erhält, so ist und bleibt es nur eine Bestätigung, die zumindest hierzulande mit einem Zeugnis oder einem Diplom in keiner Weise zu vergleichen ist. Und: Auch wenn man sich online bestens mit seinen Kommilitonen austauschen kann, ist eine persönliche Betreuung bei den Online-Kursen allein wegen der riesigen Teilnehmerzahl unmöglich.

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