Unternehmensgründung, Teil 3

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Investoren bringen auch Erfahrung mit

Von Dr. rer. nat. Jürgen Kaack, STZ-Consulting Group

Bei einer Unternehmensgründung wird vom Starter-Team der Aufwand bei der Durchführung von Kapitalerhöhungen in aller Regel deutlich unterschätzt. Erschwerend kommt hinzu, dass nur die wenigsten im Vorfeld Erfahrung mit der Unternehmensfinanzierung gesammelt haben.

Der gesamte Prozess kann durchaus ein ganzes Jahr und mehr in Anspruch nehmen; er sollte daher früh genug begonnen werden. Dabei hängt natürlich vieles von der Attraktivität des Marktes und dem Stand des Unternehmens ab, aber der entscheidende Faktor ist die aktuelle Situation der Kapitalmärkte zum Zeitpunkt der Kapitalerhöhung.

Vorbereitung einer Kapitalmaßnahme

Generell lassen sich folgende Phasen einer Kapitalerhöhung unterscheiden:

  • Überlegungen zum tatsächlichen Kapitalbedarf und Bewertung des Unternehmens;
  • Vorbereitung von Unterlagen zur Präsentation und Prüfung;
  • Kriterien für die Auswahl von Investoren nach den Bedürfnissen des Unternehmens;
  • Auswahl und Ansprache geeigneter Investoren (Business Angel, Venture Capital bzw. Corporate Venture Capital, Fördermittelgeber, Beteiligungsgesellschaften etc.);
  • formale Vorbereitung der Kapitalerhöhungsbeschlüsse;
  • aussagekräftige Präsentationen und Interessenweckung bei ausgewählten Investoren;
  • Vorbereitung der technischen, rechtlichen und wirtschaftlichen Due Diligence durch den potenziellen Investor (hierfür ist je nach Phase des Unternehmens und Art des Investors ein Zeitaufwand von ein bis drei Monaten zu planen);
  • Vertragsverhandlung;
  • Umsetzung und Eintragung der Kapitalerhöhung.
Serie: Innovations- und Gründerzentren
Der Einführungsbeitrag gibt eine erste Übersicht für Gründer und Start-ups. Dabei interessiert auch die Frage, wie sich die Locations auf den eigenen Erfolg und die Karriere auswirken. Teil 1 stellt dann konkrete Beispiele aus Berlin, Hamburg und anderen Orten im deutschen Norden und Osten vor. Teil 2 geht nach Köln, Dortmund, Mainz und Gummersbach, um die Technologiezentren an Rhein und Ruhr zu sichten. – Weitere Reports aus anderen Regionen sind in Arbeit. Sonderbeiträge geben außerdem schon Auskunft über die Innovations- und Gründerzentren in Österreich und die dortige Start-up-Szene.

Ein wichtiger Erfolgsfaktor ist es dabei, sich bei dem Gesamtprozess von der Ansprache über die Gestaltung der Präsentation bis zur späteren Vertragsverhandlung auf die Sicht der Kapitalgeber einzustellen. Diese haben in der Regel eine wesentlich allgemeinere Markt- und Branchenkenntnis als der Unternehmer. Auch sind die verfolgten Ziele und die durch die Vorgaben von Anlagestatuten gegebenen Randbedingungen zu beachten (z.B. bezüglich der absoluten und relativen Beteiligungshöhe, der erforderlichen Mitspracherechte und der zeitlich begrenzten Anlagedauer bei vielen Wagniskapitalgebern).

Durch die Orientierung an einem späteren Exit ergeben sich zusätzliche Randbedingungen für das Unternehmen, die bei der Vorbereitung einer Kapitalmaßnahme zu berücksichtigen sind. Der Anlagehorizont der Kapitalgeber liegt in der Regel im Bereich von drei bis sechs Jahren und ist damit kürzer als die Perspektive der meisten Unternehmensgründer.

Mittelverwendung

Über die Verwendung der eingeworbenen Kapitalmittel sollte man sich schon frühzeitig Gedanken machen. Hierzu gehört auch die Dimensionierung der Aufbauorganisation während der Startphase. Viele Gründer wollen möglichst alles in kürzester Zeit schaffen. Ein anderer Ansatz ist ein langsameres Wachstum mit weniger Personal und einem geringeren Mitteleinsatz. Man kann sich durchaus auch das Ziel setzen, mit dem in der ersten Gründungsphase eingezahlten Kapital möglichst lange auszukommen.

Serie: Unternehmensgründung
Teil 1 beginnt mit der Vor­be­reitung und wirft einen Blick auf die mög­li­chen Ge­sell­schafts­formen. Teil 2 diskutiert die Zu­sam­men­setzung des Start­teams und nimmt In­vesto­ren unter die Lupe. Teil 3 erläutert das Vor­ge­hen bei Ka­pital­maß­nahmen und gibt Tipps für die prak­ti­sche Zu­sam­menarbeit. Teil 4 lenkt den Blick auf einige Pro­blem­felder, bei de­nen die rich­tige Ent­schei­dung spä­te­ren Ärger ver­meiden hilft.

Da sich die Kapitalmärkte auch in Zukunft weiter verändern werden und es keine Garantie dafür gibt, dass sich ein Crash nicht jederzeit wiederholt, sollte in einer Worst-Case-Planung immer davon ausgegangen werden, dass kurzfristig kein weiteres Kapital oder zumindest keine neuen Investoren gewonnen werden können. Wenn dies bei der Gründung des Unternehmens geschieht, ist der Schaden noch nicht sehr groß. Wenn aber eine solche Entwicklung während des Aufbaus bzw. in der Wachstumsphase geschieht, dann kann es existenzbedrohend werden.

Eine solche Entwicklung kann verschiedene Auswirkungen auf das Unternehmen und die Gründer haben. So sind möglicherweise die eigenen Anteile der Gründer unter den Bedingungen einer aufgezwungenen Aktionärsvereinbarung stark verwässert und damit entwertet, die vorherige Freiheit der Entscheidung wird in ein enges Korsett gezwängt und die Arbeitsweise unterscheidet sich praktisch nicht mehr von derjenigen einer angestellten Tätigkeit.

Es gelingt vielleicht nicht immer, mit der Anfangsfinanzierung bis zum Break-even auszukommen, aber die Überlegung nach dem Muster „Was wäre, wenn?“ kann sehr hilfreich sein.

Zusammenarbeit mit Investoren

Die Zusammenarbeit mit Investoren sollte eigentlich immer auf einer offenen und transparenten Basis erfolgen. Bei Abschluss der Beteiligung haben die Gründer und die Investoren in der Regel die gleichen Ziele, und diese Situation kann helfen, mögliche Probleme gemeinsam zu meistern.

Ob die Kommunikation in Form eines ausführlichen Quartalsberichtes, durch monatliche Reports oder in persönlichen Treffen erfolgt, ist eine Frage individueller Absprachen. Beachtet werden muss dabei aber auf jeden Fall der Grundsatz der Gleichbehandlung aller Gesellschafter: Wenn ein Aktionär eine detaillierte Information benötigt, müssen diese den anderen Aktionären ebenfalls gewährt werden.

Es macht natürlich keinen Sinn, unternehmensrelevante Probleme geheim halten zu wollen. Gerade professionelle Investoren haben vermutlich schon mehr Probleme in jungen Unternehmen gesehen als die meisten Gründer. Unter Umständen können sie daher auch Ratschläge zur Lösung geben.

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Schwarz auf Weiß
Eine ausführliche Darstellung für den Mittelstand gibt Dr. Jürgen Kaack im Ratgeber „Unternehmen gründen. Von der Idee bis zur Kapitalbeschaffung“, den Sie online im Pressezentrum des MittelstandsWiki bekommen.

Es ist auf jeden Fall ratsam, Investoren frühzeitig über geplante Kapitalmaßnahmen zu informieren. Auch wenn sie vielleicht selber nicht an einer weiteren Kapitalerhöhung teilnehmen, können sie Empfehlungen zu anderen geeigneten Investoren geben oder sogar Kontakte herstellen. Es ist z.B. keineswegs ungewöhnlich, dass institutionelle Investoren Co-Investments eingehen. Auch im Bereich der Fördermittel können viele Investoren beratend und vielleicht vermittelnd tätig werden. Für einige dieser Programme ist es sogar notwendig, dass einer der institutionellen Investoren als Lead-Investor den Antrag stellt.

Auch in anderen Bereichen können die Investoren helfen. Dies gilt z.B. bei der Suche nach Führungskräften oder bei der Einführung von Controlling-Instrumenten. Es kann daher nicht schaden, bei solchen Themen die Investoren zu fragen. Allerdings sollten Gründer nicht darauf vertrauen, dass Lücken durch den Investor geschlossen werden. Auch ein institutioneller Investor betreut schließlich nur ein begrenztes Portfolio an Beteiligungsunternehmen.

Gemeinsam zu eigenen Zielen

Generell ist zu beachten, dass die Zusammenarbeit von Unternehmensgründern und Investoren eine Beziehung auf Zeit ist, in der alle Beteiligten ihre eigenen Ziele und Rahmenbedingungen haben. Wenn es gelingt, das in gemeinsame Strategien umzusetzen, dann können alle Seiten die eigenen Ziele am ehesten erreichen.

Wozu Investoren in der Regel nicht taugen und worauf Gründer von Anfang an ihr Augenmerk richten sollten, sagt abschließend Teil 4 dieser Serie.

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