Erwerbsbiografische Einflüsse auf das Gründungsverhalten von Frauen
Frauen machen sich mit und ohne Beschäftigungsgarantie selbstständig

IfM-Materialien 230 (2014), © IfM Bonn
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Erst kommen Ausbildung und Karriere, dann kommt das Kind. Und dann? Das IfM Bonn hat in einer Längsschnittuntersuchung auf der Grundlage des Nationalen Bildungspanels (NEPS) untersucht, wie sich familienbedingte Unterbrechungen auf die Erwerbsbiografien von Frauen auswirken – speziell im Hinblick auf Wahrscheinlichkeit, sich selbstständig zu machen.

Tatsache ist, dass der Frauenanteil an den Gründungen in den letzten Jahren stetig angestiegen ist. Dennoch bleibt der Frauenanteil deutlich unter dem Frauenanteil an den Erwerbstätigen. Die Ergebnisse der IfM-Studie von Rosemarie Kay, Stefan Schneck und Olga Suprinovič, die nun in der Reihe IfM-Materialien erschienen sind (Nr. 230), zeigen klar, dass der Schritt in die Selbstständigkeit keineswegs aus erschwerten Rückkehrbedingungen in die abhängige Arbeit geschieht. Ein Prüfstein dafür ist die Beschäftigungsgarantie:

„Frauen, die Erwerbsunterbrechungen mit Rückkehrrecht zum bisherigen Arbeitgeber in ihrer Erwerbsbiografie aufweisen, gründen tendenziell mit der gleichen Wahrscheinlichkeit wie Frauen ohne derartige Erwerbsunterbrechungen.“

Das IfM konstatiert daher: Eine Beschäftigungsgarantie wirkt – ebenso wie übrigens das Erziehungsgeld – Gründungen nicht entgegen; sie befördert sie aber auch nicht. Insgesamt wird eine Gründung freilich umso wahrscheinlicher, je häufiger und je länger eine Frau ihre Erwerbstätigkeit familienbedingt unterbricht.

Zu bedenken ist dabei auch die Beobachtung, dass der Schritt in die Selbstständigkeit keineswegs immer unmittelbar im Anschluss an die Elternpause erfolgt: Im Schnitt dauert es zehn Jahre, bis eine Frau sich dazu entschließt, sich selbstständig zu machen. Das erläutert Dr. Rosemarie Kay, Leiterin der IfM-Studie, so:

„Unsere Analyse der Erwerbsverläufe zeigt weiterhin, dass sich ein Teil der Frauen unmittelbar nach Aufnahme einer Selbstständigkeit noch in erheblichem Maß um Haushalt und Kinder kümmert. Der Schritt in die Selbstständigkeit beruht daher vermutlich nicht nur auf den Schwierigkeiten, einen Arbeitsplatz zu finden, sondern auch auf dem Wunsch oder der Notwendigkeit, Erwerbsarbeit und Kindererziehung miteinander zu vereinbaren. Hierfür bietet die selbstständige Tätigkeit die besseren Möglichkeiten.“

Die Studie „Erwerbsbiografische Einflüsse auf das Gründungsverhalten von Frauen“ gibt auf der Homepage des Instituts für Mittelstandsforschung kostenfrei als PDF zum Herunterladen. (Quelle: IfM Bonn/red)