Drohende Insolvenz erkennen

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Laufende Kennzahlenauswertung ist Chefsache

Von Alexander Eichner, transition-manager

Auch das gesündeste Unternehmen kann in eine wirtschaftliche Schieflage geraten. Selbst Markt- und Branchenführer, die sich nie in ihrer Existenz gefährdet sahen, sind vor einer solchen Situation nicht gefeit. Die Ursachen hierfür sind sehr unterschiedlich. Die gängigsten Auslöser für existenzgefährdende Krisen hierzulande sind strategische Fehlentscheidungen der Geschäftsführung oder von Gesellschaftern, Strukturveränderungen in der Branche oder im Markt, falsche Unternehmenszukäufe und deren unzureichende Integration, Zahlungsausfälle, Liquiditätsengpässe und Überschuldung.

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Frühwarnindikatoren aus dem Controlling

Diese Auslöser wird es immer geben und sie sind nicht vollständig zu verhindern. Wichtig ist, frühzeitig zu erkennen, dass das Unternehmen auf die Insolvenz zusteuert. A und O eines solchen Frühwarnsystems ist ein funktionierendes Controlling, denn die wichtigsten Frühwarnindikatoren sind betriebswirtschaftliche Kennzahlen wie Umsatz, Umsatzrentabilität, Rendite, Eigenkapital sowie Forderungsausfälle, Kosten, Verbindlichkeiten und Auftragsbestand.

Ganz wichtig ist der Liquiditätsgrad, der anzeigt, wie lange die finanziellen Mittel, die dem Unternehmen zur Begleichung seiner Zahlungsverpflichtungen in einem bestimmten Zeitraum zur Verfügung stehen, noch ausreichen. Ein weiterer wichtiger Indikator ist die Auslastung – oder eben Nichtauslastung – der betrieblichen Sach- und Personalmittel.

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Alexander Eichner ist Transition Manager. Als solcher unterstützt er Unternehmen bei Restrukturierung und Sanierung, Investorenansprache, Geschäftsentwicklung, Aufsichtsrats- und Beiratsmanagement.


transition-manager, Kurfürstendamm 217, 10719 Berlin, Tel.: 030-89376945, Fax: 030-89376948, middleoffice@transition-manager.com, www.transition-manager.com

Über das Tagesgeschäft hinaus

Das mag vielen wie eine Aufzählung grober Banalitäten vorkommen, sollten diese Kennzahlen doch in jedem Unternehmen vorhanden und gepflegt sowie aufmerksam beobachtet werden. In der Praxis sieht es jedoch meist so aus, dass die Verantwortlichen im Unternehmen permanent mit dringenden operativen Dingen beschäftigt sind und die Kostenrechnung und Finanzplanung einem einzelnen Mitarbeiter überlassen. Da aber Strategie Chefsache ist, sollte auch das Controlling Chefsache sein.

Damit ist selbstverständlich nicht die Pflege der Kennzahlen gemeint, sondern deren Bewertung. Um diese sinnvoll vornehmen zu können, sollte man sich als Unternehmer regelmäßig einmal im Monat dafür Zeit nehmen – sozusagen einen „Jour fixe Controlling“ einrichten.

Thema: Insolvenz
Ein Dreiteiler erläutert alles, was Unternehmer über das Insolvenzverfahren wissen müssen: Teil 1 erklärt die Prinzipien und listet die Antragsberechtigten nach Gesellschaftsform. Teil 2 geht die Abläufe im Einzelnen durch und bespricht die wichtigsten Stationen bis zum Schlusstermin. Teil 3 hat kompakt praktische Tipps für Insolvenzschuldner und -gläubiger parat. Daneben geben Schwerpunktbeiträge Auskunft darüber, was im Angesicht drohender Insolvenz zu tun ist, woran man sie erkennt und wie der Begriff der drohenden Zahlungsunfähigkeit gefasst ist, was Überschuldung heißt und welche Alternativen im Fall von Insolvenz durch Überschuldung noch offen stehen, wie die Planinsolvenz in Eigenverwaltung (im Schutzschirmverfahren) funktioniert und wie Insolvenzfactoring dabei helfen kann, was mit Lizenzen in der Insolvenz geschieht, welchen rechtlichen Status Gesellschafter im Insolvenzverfahren haben, wie das Verhalten in der Insolvenz die Abläufe beeinflusst und was sich bei Privatinsolvenzen für die Restschuldbefreiung tun lässt.

Krisenphasen vor der Insolvenz

Im Vorfeld einer insolvenzrechtlichen Situation sind in der Regel drei Krisenphasen zu beobachten:

  • die Strategiekrise,
  • die Erfolgskrise und schließlich
  • die Liquiditätskrise.

Dass sich das Unternehmen tatsächlich in einer Krise befindet, nehmen viele Unternehmerinnen und Unternehmer bezeichnenderweise meist erst im Stadium der Liquiditätskrise wahr, wenn das Unternehmen z.B. nur noch gegen Vorkasse beliefert wird oder es dem Preisverfall aufgrund steigenden Wettbewerbs Rechnung tragen muss. Dann aber ist es nicht selten zu spät: Mangelnde Kostendeckung, Überschuldung und nicht mehr finanzierbare operative Verluste führen zur Zahlungsunfähigkeit und damit in die Insolvenz.

Strategien zur Insolvenz
Im aktuellen Ratgeber sagt Axel Oppermann, wie sich Geschäftsführer am besten auf eine Insolvenz gefasst machen und dabei die Firma, ihre Assets und sich selbst schützen. Er skizziert außerdem, welche Maßnahmen es gibt, um unter Umständen die Insolvenz noch einmal abzuwenden. Woher dieses Wissen kommt, erzählt er offen im Interview: aus eigener Erfahrung.

Fazit: Kurs verfolgen und gegensteuern

Wer als Unternehmer regelmäßig seine wichtigsten Kennzahlen überprüft, erkennt die Krise rechtzeitig und kann gegenlenken. Unter Umständen ist es sinnvoll, hierfür einen externen Fachmann als Ratgeber hinzu zu rufen. Erfahrene Krisenmanager gibt es viele. Oft kann z.B. die Hausbank schon zwei, drei Berater empfehlen, mit denen andere Kundenunternehmen gute Erfahrungen gemacht haben.

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