Internet of Things in Österreich

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Vernetzte Sensorik

© Magenta Telekom

Von Friedrich List

Weltweit tummelten sich im vergangenen Jahr bereits rund 30 Milliarden vernetzte Geräte im Internet of Things. Experten schätzen, dass 2025 bereits 75 Milliarden Geräte über das IoT vernetzt sein und Daten untereinander austauschen werden. Befördert wird dieser Trend durch die Digitalisierung der Wirtschaft, aber auch durch den 5G-Mobilfunk, der hohe Übertragungsraten ermöglicht.

2019 bezifferte eine Studie der Unternehmensberatung Ernst & Young den Markt für IoT-Anwendungen in Österreich auf ein Volumen von 4,2 Milliarden Euro. Ohne die Corona-Pandemie hätte sich das Volumen auf etwa 11 Milliarden fast verdreifachen sollen. Die pandemiebedingten Einschränkungen haben diesen Erwartungen jedoch einen deutlichen Dämpfer versetzt. Die Produktion in Europa läuft immer noch nicht wieder auf Hochtouren. Betriebe haben mit Lieferverzögerungen oder dem Ausfall von Zulieferern und Lieferanten zu kämpfen.

Verhaltene Erholung am IoT-Markt

Jedoch bleiben die Treiber für die Ausbreitung des IoT weiter wirksam. Das IoT hat viele Vorteile, wenn es darum geht, Produktionsprozesse zu überwachen und zu steuern, Verkehrs- oder Lieferströme zu überwachen, Smart Homes oder autonome Fahrzeuge zu betreiben. Und das produzierende Gewerbe braucht intelligente Fabriken und smarte Lieferketten, um im globalen Wettbewerb bestehen zu können.

Während die Aussichten für die weitere Verbreitung von IoT-Lösungen vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie ausgesprochen rosig waren, hat das Wachstum in den letzten eineinhalb Jahren an Fahrt eingebüßt. In jüngster Zeit häufen sich Anzeichen dafür, dass Lieferschwierigkeiten bei Computerchips die Produktion behindern. Dennoch nimmt laut einer Studie des Marktforschungs- und Beratungsunternehmens Information Services Group (ISG) das Interesse der Unternehmen in ganz Europa seit dem vierten Quartal 2020 wieder zu.

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Schwarz auf Weiß
Dieser Beitrag erschien zuerst in unserer Heise-Beilagenreihe „IT-Unternehmen in Österreich stellen sich vor“. Einen Überblick mit freien Download-Links zu sämtlichen Einzelheften bekommen Sie online im Pressezentrum des MittelstandsWiki.

Der ISG-Anbieter-Report „Internet of Things – Services and Solutions Europe 2021“ beleuchtet IoT-Trends auf europäischer und lokaler Ebene in den vergangenen zwölf Monaten. Im verarbeitenden Gewerbe wuchs die Zahl der unterzeichneten IoT-Outsourcing-Verträge sogar. Auch im vergangenen Jahr war Europa weltweit der größte Markt für das Outsourcing von IoT-Dienstleistungen.

Dabei bevorzugen Unternehmen Provider, die ihre IoT-Dienste in mehreren Ländern anbieten und auch über einen mehrsprachigen Kundensupport verfügen. Nachgefragt werden aber ebenso Beratungsleistungen. Deren Anbieter müssen sich gut mit den unterschiedlichen Datenerfassungs- , Datensicherheits- und Datenschutzvorschriften in Europa auskennen. Dabei kommen auch örtliche Dienstleister zum Zug, denn Unternehmen suchen dezidiert auch in abgelegenen Regionen nach Anbietern, die entweder direkt vor Ort ansässig sind oder zumindest eine lokale Niederlassung betreiben.

Sicherheit für smarte Geräte

Österreich bezieht seine Stärke aus zahlreichen innovativen Anbietern von IoT-Technologien und zeitgemäßen Anwendungen. Die Sensor Network Services GmbH (SENS) ist ein neuer Anbieter von IoT-Lösungen in Österreich. Das gemeinsam von der ORS-Gruppe, dem Beratungsunternehmen Kapsch BusinessCom und der Weiole Holding GmbH gegründete Unternehmen bietet die Vernetzung von Geräten und Sensoren mit der LoRaWAN-Technologie an. LoRaWAN steht für „Long Range Wide Area Network“, einen Funkstandard zum energieeffizienten Senden und Empfangen von Daten über weite Strecken. Das ermöglicht Vernetzungslösungen für industrielle Anwendungen, Logistik, öffentliche Infrastruktur oder Energieversorgung. Teil der SENS-Lösung ist eine IoT-Plattform, die den Datenverkehr mit der IT des Kunden sicherstellt.

Das von der EU geförderte Projekt SerIoT (Secure and Safe Internet of Things) beschäftigt sich seit 2018 mit der Sicherheit von IoT-Lösungen. Ziel von SerIoT ist die Entwicklung einer sicheren Plattform zum Schutz der verschiedenen IoT-Anwendungen und Netzwerke. Die Wiener Technologieschmiede AustriaTech hat unter dem Dach dieses Projekts untersucht, wie sich die Sicherheit vernetzter Fahrzeuge gegen Cyberangriffe verbessern lässt. Derartige Angriffe sind technisch möglich, zurzeit aber selten. AustriaTech untersuchte zusammen mit Experten der Technischen Universität Berlin, was passiert, wenn ein Fahrzeug das Netzwerk mit falschen Daten sättigt und der Verkehrsleitzentrale einen Stau vorgaukelt.

MW-IMG 6519.jpg Das EU-Förderprojekt SerIoT hat die Voraussetzungen sicherer IoT-Plattformen und -Netzwerke auf SDN-Basis (Softwared-defined Networking) untersucht, speziell mit Blick auf die Verwundbarkeit von Connected Cars im Verkehr der Zukunft. Erste Faustregel: die Anzahl fehlgeschlagener SSH-Anmeldeversuche begrenzen. (Bild: SerIoT)

Ziel der simulierten Attacke waren die sogenannten Road Side Units, die sicherheitsrelevante Informationen übermitteln und die Vernetzung zwischen Fahrzeugen, Infrastruktur und der Verkehrsleitung gewährleisten. Dadurch erhalten auch die Fahrenden zeitnah Informationen über die Verkehrslage und können beispielsweise Staus umfahren. Die Lösung der Wissenschaftler war dann, einen „Honeypot“ zwischenzuschalten, der die fehlerhaften Daten erkannte und eine entsprechende Meldung an die Verkehrsleitstelle schickte. So konnte der simulierte Stau als Täuschung enttarnt werden.

Blockchain und IoT

An der Schnittstelle zwischen dem Internet der Dinge, der Blockchain-Technologie und Kryptowährungen bewegt sich die IOTA Foundation, die hinter dem deutschen Kryptoprojekt IOTA steht. Die IOTA Foundation schloss sich jüngst der Wiener Christian Doppler Forschungsgesellschaft (CDG) an. Die CDG betreibt ein an der TU Wien angesiedeltes Labor, das sich mit Distributed-Ledger- oder Blockchain-Technologien beschäftigt und praktische Anwendungen für die Blockchain entwickelt. Die IOTA Foundation will mit IOTA einen Standard für die Verbindung von Blockchain- und IoT-Anwendungen etablieren.

Durch den IOTA-Standard können IoT-Geräte automatisch Zahlungen und Daten an andere Geräte übertragen, die selbst Teil des IOTA-Netzwerks sind. Die Foundation und viele Unternehmen sehen hier ein echtes Wachstumspotenzial. Deswegen hat sich auch das österreichische Unternehmen Pantos beteiligt, das sich selbst als erstes „Multi-Blockchain Token System“ präsentiert. Pantos selbst ist wiederum eine Tochter der in Wien beheimateten Handelsplattform für Kryptowährungen und digitale Assets BitPanda.

Zurzeit erschwert die Vielzahl von DLT- oder Blockchain-Lösungen deren Integration in größere Netzwerke. Da aber sowohl IoT-Anwendungen als auch Blockchain-Lösungen immer zahlreicher werden, müssen sich diese teilweise recht verschiedenen Systeme miteinander verständigen können. Das wiederum treibt den Aufwand, jede Anwendung individuell an eine andere anzupassen, in die Höhe. Der IOTA-Standard soll dieses Problem lösen helfen.

Tracking per LPWAN

Seit beinahe einem Jahr arbeitet die Österreichische Post mit dem deutschen IoT-Serviceprovider Sigfox zusammen. Die Post nutzt eine IoT-Lösung von Sigfox, um ihre Lieferketten zu optimieren und ihren CO₂-Abdruck zu verkleinern. Rund 40.000 Rollbehälter haben einen Tracker erhalten, mit dem man sie orten und verfolgen kann. Über Triangulation innerhalb des Netzes können die Behälter je nach Dichte des WLAN-Netzes mit einer Genauigkeit von einigen Metern bis zu etwa 100 m lokalisiert werden.

Die Tracking-Lösung von Sigfox stützt sich auf ein Low-Power-Wide-Area-Netzwerk (LPWAN) und nicht auf das 5G-Netz. Im Gegensatz zu 5G ist die Sigfox-Technologie eine rein europäische Lösung und zudem bereits voll funktionsfähig. Betreiber des Sigfox-Netzes ist die in Wien, Lausanne und München beheimatete Firma Heliot. Das Netz erreicht in Österreich eine Abdeckung von über 65 % und erschließt somit fast alle wichtigen Standorte für Logistik und Landwirtschaft.

IoT-Sensorik out of the box

Die T-Mobile-Tochter Magenta Telekom sucht die Partnerschaft mit österreichischen Start-ups. So will das Unternehmen nicht nur das Internet der Dinge, sondern auch die Entwicklung dafür notwendiger Technologien vorantreiben. Es bietet ihnen, ähnlich wie Sigfox, das IoT als externe Dienstleistung an, als „IoT as a Service“. Magenta orientiert sich dabei an dem Konzept der Glokalisierung. Dieses Kunstwort beschreibt die lokale Förderung von Innovationen, die global einen Markt finden könnten.

Um Start-ups zu unterstützen, bietet das Unternehmen einen „NB-IoT Developer Kit“, dessen drahtlose Netze die NarrowBand-IoT-Technologie verwenden. Eine der Firmen, die diesen Developer Kit nutzen, ist der Wiener Monitoring-Anbieter one:solutions. Dessen Spezialität ist das „Condition Monitoring“. Smarte Sensoren überwachen zum Beispiel die Umgebungsbedingungen in einer Fabrik oder auf einer Baustelle. So können die Betreiber Parameter wie Lautstärke, Luftfeuchtigkeit oder die Belastung mit Feinstaub überwachen. Die Daten werden dann an die IoT-Plattform von Magenta übermittelt. Die Sensoren von one:solutions werden ortsnah beim Wiener Unternehmen TELE produziert, ohne auf Zulieferer aus Fernost zurückzugreifen.

MW-montage-condition-monitoring 50135985898 o.jpg IoT as a Service: Zusammen mit dem österreichischen Startup one:solutions hat Magenta 2020 eine einsatzfertige Komplettlösung zum Condition Monitoring auf den Markt gebracht, deren Sensorik Temperatur, Luftfeuchtigkeit, aber auch Lärm, Lichtstärke, Energieverbrauch und Türkontakte erfassen kann und bei Überschreitung definierter Grenzwerte automatisch Alarm schlägt. (Bild: Magenta Telekom)

Ein weiterer Partner von Magenta Telekom ist das Grazer Unternehmen t-matix, das seinen Kunden eine Plattform zur Verfügung stellt, auf der sie ohne tiefere Programmierkenntnisse ihre Prozesse und Produkte abbilden können. Magenta verbindet die t-matix-Plattform mit den Sensoren beim Kunden.

IoT-Sensoren lohnen sich auch im Außenbereich. Das in der Steiermark ansässige Unternehmen SLOC hat „ANDI“ entwickelt, einen Sensor, mit dem sich Mülltonnen nicht nur orten lassen. Die Abkürzung steht für „Automatisch, Nachhaltig, Digital, Innovativ“. Das Gerät überwacht den Füllstand der Mülltonnen und übermittelt die Daten an das Lagezentrum des steirischen Recyclingbetriebs Saubermacher. Mit diesen Daten kann das Unternehmen bedarfsgerechte Touren planen und seine Sammelfahrzeuge optimal einsetzen. Weil nur noch die vollen Tonnen angefahren und geleert werden, sparen die schlauen Müllbehälter rund 20 % CO₂-Emmissionen ein.

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Friedrich List ist Journalist und Buch­autor in Hamburg. Seit Anfang des Jahr­hunderts schreibt er über Themen aus Computer­welt und IT, aber auch aus Forschung, Fliegerei und Raum­fahrt, u.a. für Heise-Print- und Online-Publikationen. Für ihn ist SEO genauso interessant wie Alexander Gersts nächster Flug zur Inter­nationalen Raum­station. Außerdem erzählt er auch gerne Geschichten aus seiner Heimatstadt.

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