Kommunalsoftware und Standardisierung

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Hersteller bringen Standards auf den Weg

© IT-Planungsrat

Von Detlef Sander, Sirko Scheffler und Robert Wander, DATABUND e.V.

Durch das Onlinezugangsgesetz (OZG), den Portalverbund und das Digitalisierungsvorhaben im Bundesinnenministerium (BMI) insgesamt geraten öffentliche Verwaltungen, Standardisierungsgremien und die Softwarehersteller unter erheblichen Druck. Bis zum Jahr 2022 soll es für die Bürger und die Wirtschaft möglich sein, alle sinnvollen bzw. wichtigen Verfahren online abzuwickeln. Basis dafür ist der Portalverbund, der diese Verfahren zusammenführen soll.

Institutionen hinken hinterher

Vielen Akteuren in der Politik und den Ministerien war und ist möglicherweise nicht bewusst, welche Vielzahl von Anwendungen und Rahmenbedingungen es auf den verschiedenen Verwaltungsebenen gibt. Diese Vielfalt und die föderale Struktur der Bundesrepublik wurden bereits in der Vergangenheit oft als Gründe für den schleppenden E-Government-Fortschritt in Deutschland angegeben. Tatsächlich gehen viele der bislang entwickelten Daten- und Schnittstellenstandards entweder am Bedarf vorbei oder finden aufgrund fehlender Praxisnähe keine Akzeptanz.

Erfolgreiche Standards wie XMeld haben zwar gezeigt, dass eine Einigung durchaus möglich ist. Doch mit ihrem bisherigen Arbeitstempo können der IT-Planungsrat und andere Institutionen den engen Zeitvorgaben des OZG nicht erfüllen. Hier sind die Softwareanbieter selbst gefordert, die aufgrund ihrer langjährigen Erfahrungen und ihres Sachverstands viel schneller einsteigen und einen Schnittstellen- und Datenstandard auf den Weg bringen können, der vom ersten Tag an Akzeptanz im Markt findet.

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Detlef Sander ist Vor­stands­vor­sitzender der net-Com AG und im DATA­BUND e.V., außerdem im Vor­stand des Bundes­verbands Deutscher Internet-Portale. Der DATABUND als Verband der mittel­ständischen IT-Dienst­leister und Software­hersteller für den öffentlichen Sektor begleitet aktiv, fach­kompetent und oft auch kritisch die derzeitige Verwaltungs­digitalisierung. Der DATABUND ist zugleich Interessen­vertretung für den öffentlichen IT-Sektor und Ansprech­partner für Entscheider aus Politik und Verwaltung.


DATABUND – Bundesverband der mittelständischen IT- Dienstleister und Softwarehersteller für den öffentlichen Sektor e.V., Europaplatz 2, 10557 Berlin, Tel.: 030-220 661 600, info@databund.de, www.databund.de

Softwarehersteller gründen Arbeitsgruppen

Der DATABUND hat daher schon 2016 eine herstellerübergreifende Arbeitsgruppe für technische Zusammenarbeit eingerichtet, die Standards nicht nur finden oder definieren, sondern auch direkt deren Durchdringung im Markt fördern soll. Sie gliedert sich in mehrere Bereiche: Die Unterarbeitsgruppe DMS (Dokumentenmanagementsysteme) stellt den standardisierten Datenaustausch zwischen ECM-Lösungen (Enterprise Content Management) und Fachverfahren in der Verwaltung sicher, die Unterarbeitsgruppe CMS/Portalverbund (Content-Management-Systeme) verbindet kommunale Portallösungen mit den verwaltungsinternen Fachverfahren und externen Komponenten von Bund und Ländern. Um eine möglichst breite Durchdringung im Markt zu erreichen, haben sich die Unterarbeitsgruppen darauf verständigt, bis auf Weiteres auf die eigene (proprietäre) Definition von Schnittstellen und Standards innerhalb des Verbands zu verzichten. Vielmehr werden bestehende Standards im Markt, aber auch darüber hinaus, im Hinblick auf ihre Anwendbarkeit im kommunalen Umfeld analysiert und bewertet.

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Sirko Scheffler ist Geschäftsführer der brain-SCC GmbH und Mitglied der Arbeitsgruppe DMS im DATABUND. Die brain-SCC GmbH ist ein TÜV-zertifizierter IT- und Mediendienstleister für Länder, Landkreise und Kommunen, dabei Spezialist für kommunale Portale. Die wichtigste Lösung des Anbieters ist das umfassende brain-GeoCMS.


brain-SCC GmbH, Fritz-Haber-Str. 9, 06217 Merseburg, Tel.: 03461-2599510, info@brain-scc.de, www.brain-scc.de

Eine besondere Herausforderung besteht darin, die Standards so umzusetzen, dass sie die mittlerweile hohen Ansprüche der Endanwender erfüllen, die über täglich mehr Erfahrungen mit E-Commerce-Lösungen verfügen. Das funktioniert am besten, wenn existierende Standards in gleicher Weise in den Kommunen, in den Ländern, im Bund und in der EU von den Dienstleistern und ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern umgesetzt werden, und zwar unter Berücksichtigung der realen Anforderungen von Bürgerschaft und Wirtschaft. Dabei ist es dringend notwendig, dass der Bund und die Länder die Möglichkeiten der kommunalen Softwarehersteller, wie die des DATABUND, voll ausschöpfen und intensiv in die begonnene Offensive der Online-Verfügbarmachung von Verwaltungsleistungen einbeziehen.

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Robert Wander ist E-Government-Mentor bei Optimal Systems und Mitglied der Arbeitsgruppe DMS im DATABUND. Optimal Systems entwickelt und vertreibt seit über zwei Jahrzehnten ECM-Lösungen. Flaggschiff des Unternehmens ist die hauseigene Software enaio.


Optimals Systems GmbH, Cicerostraße 26, 10709 Berlin, Tel.: 030-895708-0, kontakt@optimal-systems.de, www.optimal-systems.de

DATABUND-Empfehlungen

Um seine Mitglieder, aber auch allen anderen Beteiligten am Prozess der Digitalisierung der Verwaltung mit konkreten Vorschlägen zu unterstützen, haben sich die Arbeitsgruppen auf folgende Festlegungen geeinigt, die sie über die Grenzen des DATABUND hinaus empfehlen:

Anwendung der XÖV-Standards

Vor dem Versuch, eigene Standards zu entwickeln, ist zu prüfen, inwieweit bereits vorhandene Lösungen im Bereich des XML in den öffentlichen Verwaltungen (XÖV) bestehen. Sollten Anpassungen für zielführend gehalten werden, ist der Kontakt zum Standardisierungsgremium zu suchen. Konkret empfehlen die Arbeitsgruppen im Rahmen ihrer jeweiligen Betätigungsfelder zurzeit die folgenden Standards:

  • XFinanz zum Austausch von Buchhaltungsinformationen und
  • XZuFi zum Austausch von Zuständigkeitsfinderdaten.

Anwendung offener Standards

Neben den XÖV-Standards existieren weitere im Markt bekannte Standards, deren Anwendung geprüft werden muss. Als konkretes Beispiel empfiehlt die Arbeitsgruppe Portalverbund die Anwendung des OParl-Standards für den offenen Zugriff auf parlamentarische Informationssysteme in Deutschland.

Konformes Handeln bei Unschärfen in Standards

Gerade offene Standards bringen oft das Problem mit sich, dass sie zu viele Wahlmöglichkeiten bieten, weil sie in ganz verschiedenen Märkten Anwendung finden sollen. Der DATABUND empfiehlt hier die klare Kommunikation und den Austausch, um ein geschlossenes Handeln zu erreichen. Möglich machen das zyklische Abstimmungen über die Notwendigkeit bestimmter Wahlmöglichkeiten sowie die gemeinsame Verständigung darauf, ab welchem Zeitpunkt alle Teilnehmer ein konformes Handeln zu den beschlossenen Möglichkeiten erreichen können.

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Schwarz auf Weiß
Dieser Beitrag erschien zuerst in unserer Reihe „Kommunale ITK“ zur CeBIT 2017. Einen Über­blick mit freien Links zu sämt­lichen Einzel­heften bekommen Sie online im Presse­zentrum des MittelstandsWiki.

Konkrete Ergebnisse

Neben allgemeinen Festlegungen ist es den Arbeitsgruppen des DATABUND bereits gelungen, konkrete Ergebnisse zu erzielen. So verständigten sich alle vertretenen ECM-Hersteller auf die Anwendung des CMIS-Standards sowie auf die Definition der zweiten Ausbaustufe der Wahlmöglichkeiten für das Jahr 2018. Des Weiteren werden bis zur Realisierung der zweiten Ausbaustufe auch alle in der Arbeitsgruppe vertretenen Fachverfahren mit der Umsetzung der einheitlichen DMS-Anbindung beginnen.

Damit hat der DATABUND unter Beweis gestellt, dass die herstellerübergreifende Zusammenarbeit in technischen Fragen möglich und zielführend ist – eine Ressource, auf die das BMI, der IT-Planungsrat und andere zurückgreifen können, um die geplanten Bundesvorhaben schnell und effizient voranzubringen.

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