IT-Willy 2019
Wolfratshausen bedient Fach­verfahren aus dem Baukausten

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Bis 2022 müssen die Kom­munen ge­mäß Online­zugangs­gesetz (OZG) bzw. OZG-Um­setzungs­katalog nicht weniger als 575 Fach­verfahren als elektro­nische Dienst­leistungen ver­füg­bar machen. Ob das zu schaffen sein wird, ist fraglich. Auf einem guten Weg ist Wolf­rats­hausen, das ein mo­du­lares System nutzt – und es geschickt umsetzt.

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So geschickt, dass der verantwortliche IT-Anwendungsadministrator Wolfgang Hummel dafür in der vergangenen Woche durch den bayerischen Innenminister Joachim Herrmann mit dem „IT-Willy“ ausgezeichnet wurde (Kategorie „Kreisfreie Stadt bis 50.000 Einwohner“) – eine Ehrung, die seit 2017 auf der Kommunale in Nürnberg für besonders clevere Digitalisierungslösungen in der Kommunalverwaltung verliehen wird. Wolfratshausen arbeitet dabei mit dem Baukastensystem der HSH Soft- und Hardware Vertriebs GmbH und deren Plattform VOIS – sie hat ihre Anfänge zwar im Einwohnermeldewesen, ist aber längst fachverfahrensunabhängig, und vor allem ist sie sozusagen „OZG-ready“. Das heißt: Zu den einzelnen Verfahrensmodulen gehören entsprechende Online-Services für die Bürger. Dieser Aspekt ist nicht nur in Bezug auf das OZG von Bedeutung, sondern auch mit Blick auf die Bevölkerungsentwicklung: Derzeit zählt Wolfratshausen rund 19.000 Einwohner, Tendenz rasch steigend.

Beim Einwohnermeldeamt nahm daher die Implementierung durch Wolfgang Hummel ihren Anfang. Das Besondere ist jedoch, dass ihm nicht nur eine eng getaktete Verfahrensumstellung gelungen ist, sondern durch die Verknüpfung des passenden Gebührenkassenmoduls „für einen Großteil der Verwaltung die Synergieeffekte zu bündeln und ohne großen Aufwand für die Kolleginnen und Kollegen zur Verfügung zu stellen.“ Die Gebührenkasse, erklärt Hummel, funktioniert zwischen Isar und Loisach nämlich gleich noch für weitere Fachbereiche:

„Wir haben jetzt die Möglichkeit, auch für andere Bereiche – also nicht nur Meldeamt, sondern auch Standesamt, Kartenvorverkauf, Veranstaltungsmanagement –, auch dort die Gebühren zu erfassen und direkt ins Programm, ins Verwaltungsprogramm einzugeben.“

Die Umstellung klappte bei mit minimalen Ausfallzeiten und war begleitet von einer praxisorientierten Schulung für die Anwender im Rathaus. Doch für einen kommunalen IT-Profi gilt: Nach dem Projekt ist vor dem Projekt – die nächsten Aufgaben stehen bereits an, namentlich die Freiwillige Feuerwehr. Hier geht es um die „Software-Anbindung ans Rathaus, über Glasfaser unter Umständen, je nachdem, welche Möglichkeiten vom Stadtrat gewährt werden.“

Auf der Kommunale 2019 war der Lösungsanbieter HSH übrigens mit einem eigenen Stand vertreten (9-304 in Halle 9), der geschäftsführende Gesellschafter Stephan Hauber leitet außerdem als Vorsitzender den Bundesverband der mittelständischen IT-Dienstleister und Softwarehersteller für den öffentlichen Sektor, den DATABUND e.V., der sich stark gegen eine „zentralistische“ Portalverbund-Gängelung in Position bringt und in speziellen Arbeitsgruppen eigene Standards entwickelt. Den Portalverbund wiederum machte Detlef Sander, seines Zeichens DATABUND-Geschäftsführer und Vorstand der net-Com AG, zum Thema seines Vortrags am 17. Oktober beim IT-Talk der Kommunen auf der Nürnberger Messe (die Folien aller Vorträge wird es im MittelstandsWiki demnächst online zum Nachvollziehen geben). Mit dem Insidas-Geschäftsführer Ludwig Atzberger stellte der DATABUND nicht zuletzt eines der fünf Jury-Mitglieder des IT-Willy-Wettbewerbs.

Weitere Videos zum IT-Willy 2019

Außerdem online sind die Vorträge der IT-Willy-Preisträger und des IT-Talks, als freie PDFs zum Nachvollziehen und Herunterladen:

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