Cloud und Unclouding

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Die richtige Cloud-Strategie

© Pelly Benassi – Unsplash

Von Axel Oppermann

Ich starte mit einer Frage: Was macht für Sie die richtige Cloud-Strategie aus? Überlegen Sie einen Moment. Einundzwanzig, zweiundzwanzig, dreiundzwanzig. Und? Haben Sie eine Antwort? Ist es eine umfassende Planung, ist es die richtige Auswahl von Serviceanbietern, Plattformen und Hyperscalern? Sind es die eigenen Mitarbeiter? Die Antwort kommt, auch damit Sie noch ein wenig überlegen können, etwas später; zunächst, zum Einstieg, etwas Prosa im Kontext.

Showdown im Rechenzentrum

Vom heutigen On-premises-Schwerpunkt – über 36 % beziehen ihre Anwendungen aus der Private Cloud im eigenen Rechenzentrum, 17 % monolithisch aus dem eigenen Rechenzentrum – werden die Daten bis 2020 zu großen Teilen Richtung Cloud wandern. 2020 wollen die Entscheider knapp 28 % ihrer Daten über Hyperscaler beziehen, 24 % von lokalen Public-Cloud-Anbietern. Zu diesen Erkenntnissen kommt eine Umfrage von Research in Action im Auftrag von Interxion. Ein enormer Wandel, der getrieben wird von den Kriterien Kostenersparnis, Flexibilität und Skalierbarkeit. Bis 2020 wächst der Anteil der Daten bei lokalen Public-Cloud-Anbietern um den Faktor 2,4, die Rolle des eigenen Rechenzentrums nimmt dagegen deutlich ab.

Serie: Digitale Infrastruktur
Die Einführung beginnt in Berlin und klärt die Rahmenbedingungen in Deutschland. Ein erster Regionalschwerpunkt widmet sich dann dem Westen und Nordrhein-Westfalen. Weitere Regionalreports konzentrieren sich auf den deutschen Südwesten und auf Bayern. Extra-Beiträge berichten außerdem über den Stand der NGA-Netze in Österreich und über die praktische, aber schwierige Mobilfunk-Dominanz in der Alpenrepublik.

Trotz oder gerade wegen dieser Entwicklungen sind Rechenzentren als Grundlage digitaler Infrastrukturen immer wichtiger. Dieser Eindruck kann aus einer Studie von Borderstep und der eco-Allianz zur Stärkung digitaler Infrastrukturen gewonnen werden. Gerade dem unternehmenseigenen Rechenzentrum kommt dabei eine gewisse Relevanz zu. Und hier hapert es häufig. Laut einer IDC-Studie aus dem Frühjahr 2019 hat eine Vielzahl von Unternehmen hier einen enormen Nachholbedarf. Dieser wird zwar durch Modernisierungen abgebaut. Allerdings nur zögerlich. 73 % der von IDC befragten Firmen sehen die Notwendigkeit erheblicher Modernisierungsschritte im Rechenzentrum.


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Webcast Fortinet 28.5.2020

Zusammenfassung – bis hierher

Immer mehr Unternehmen, die wettbewerbsfähig bleiben wollen, sehen die Modernisierung ihrer IT, betrachten die Transformation ihrer Informationsarchitektur und Informationsinfrastruktur als eine dringende, unternehmenskritische Aufgabe. Cloud-Services haben sich inzwischen als ein fester Bestandteil des IT-Portfoliomanagements etabliert. Viele Unternehmen haben erhebliche Mehrwerte generiert. Zwar nicht zwingend auf der Kostenseite, aber beim Nutzen. Gesteigerte Flexibilität und Geschwindigkeit bei agileren und risikotoleranteren Rahmenparametern ist das, was IT-Organisationen und Führungskräfte von Cloud-Infrastrukturen erwarten. Viele Unternehmen mussten allerdings auch reichlich Lehrgeld zahlen. Haben bedingt durch schwache oder falsche Entscheidungen nicht ihre Ziele erreicht. Mussten umplanen, umbauen.

KommRZ2.2019.ID10-2019 netwrix cloud data security report-Implementierung.jpg 46 % haben auch 2019 keine Cloud-first-Strategie. Dagegen ist die Neigung, die Cloud als erste Option zu begreifen, bei kleineren Unternehmen etwas größer (37 %) als bei großen (35 %) und mittelständischen Unternehmen (27 %). (Bild: Netwrix Research)

Cloud-Migration und Unclouding

Mit jedem Einsatz der Cloud werden Veränderungen in Technologie, Menschen und Prozessen notwendig sein, damit man die angebotenen Vorteile nutzen kann. Art und Umfang dieser Veränderungen hängen von dem Ansatz ab, den das jeweilige Unternehmen bei der Cloud verfolgt. Die Analysten von Gartner taxierten den weltweiten Markt für Public-Cloud-Services 2018 auf 186,4 Milliarden US$, ein Wachstum von über 21 % gegenüber dem Vorjahr; für 2019 werden sogar mehr als 214 Milliarden US$ prognostiziert. Laut IDC übertrafen im dritten Quartal 2018 erstmals die Quartalsumsätze mit Infrastrukturprodukten für Cloud-Umgebungen die aus dem Verkauf traditioneller IT-Umgebungen und machten knapp 51 % der gesamten weltweiten Umsätze der Anbieter aus. Zum Vergleich: Im Vorjahr waren es ca. 43 %. Für das Gesamtjahr 2018 blieben die Ausgaben für Cloud-IT-Infrastruktur jedoch unter der 50-Prozent-Marke. Für das Jahr 2019 wird erwartet, dass die Ausgaben für traditionelle Non-Cloud-IT-Infrastrukturen um über 12 % wachsen werden. Diese Entwicklung hänge damit zusammen, dass sich der Markt in einem Technologie-Refresh-Zyklus befinde. IDC geht davon aus, dass bis 2022 die traditionelle, nicht cloudbasierte IT-Infrastruktur nur 42,4 % der gesamten weltweiten IT-Infrastrukturausgaben ausmachen wird.

Viele Euro, Dollar, Yen und Renminbi werden in Hybrid- oder Multicloud-Szenarien investiert. Viel Geld fließt aber auch an Dienstleister, Berater und Managed-Service-Provider. Diverse Studien und Analysten prognostizieren ein jährlich durchschnittliches Marktwachstum für Managed-Cloud-Services von um die 15 % bis zum Jahr 2022 auf dann etwa 55 Milliarden US$. Es wird erwartet, dass das Segment der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) im Prognosezeitraum mit der höchsten Rate im Markt für Managed-Cloud-Services wächst. Dies hängt auch mit der höheren Ressourcenknappheit, also fehlendem Fachpersonal, zusammen und der damit verbundenen Kompensation der Ressourcenschwäche durch externe Dienstleister.

KommRZ2.2019.ID10-2019 netwrix cloud data security report-Unclouding.jpg Rund 48 % der Unternehmen, die sensible Daten in der Cloud speichern, spielen mit Gedanken, sie zurück auf eigene Server zu ziehen, teils aus Sicherheitsgründen (24 %), teils aus Kostengründen (22 %). 43 % würden mit dem Unclouding von Kundendaten beginnen, 26 % mit Mitarbeiterinformationen. (Bild: Netwrix Research)

Neben der Auswahl der Cloud-Modelle oder der Dienstleister ist die Art der Migration entscheidend. In der Praxis haben sich drei Methoden etabliert, die dabei helfen sollen, die Workloads auf moderne Cloud-Architekturen umzustellen. Dies wären

  1. „Lift and Shift“,
  2. eine teilweise Neuentwicklung bzw. eine Anpassung und
  3. ein umfassendes bzw. komplettes „Refactoring“ – also Überarbeitung.

Dabei ist die Entscheidung, ob die Datenhaltung im eigenen Unternehmen bzw. einem Workload vor Ort gehalten oder in die Cloud verlagert wird, für viele Verantwortliche eine komplizierte. Sie erfordert ein tiefes Verständnis der eigenen IT- und Rechenzentrumsinfrastruktur, des Anwendungsdesigns und der geschäftlichen Entwicklung. Eine „falsche“ Entscheidung kann die Leistung beeinträchtigen oder zusätzliche Kosten verursachen.

Eine falsche Entscheidung zwingt aber auch dazu, Daten oder einzelne Workloads aus der Public Cloud wieder zurück auf eigene Server zu verschieben – ein Trend, der als Unclouding bekannt ist. Unclouding erfolgt aus mannigfachen Gründen. Primär sind zwei Treiber zu erkennen: Es geht darum, ein höheres Maß an Kontrolle zu erlangen, und darum, Geld zu sparen. Laut dem Netwrix Data Security Report 2019 erwägt jedes vierte Unternehmen in Deutschland, Daten aus der Cloud zurück on premises zu verschieben.

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Netwrix Data Security Report 2019
Netwrix, ein Anbieter von Informationssicherheits- und Governance-Software, hat in einer international ausgerichteten Studie, bezogen auf den deutschen Markt, herausgefunden, dass 27 % der deutschen Unternehmen ein Verschieben von Daten aus der (Public) Cloud zurück zu einem On-premises-Standort künftig in Erwägung ziehen. Die Hauptgründe dafür sind Sicherheit (45 %) und Kosten (32 %). 70 % derer, die Unclouding in Erwägung ziehen würden, möchten zuerst personenbezogene Daten zurückverschieben. Ein weiterer Grund für diese Entwicklung liegt in der Zuverlässigkeit bzw. in Performance-Problemen der ausgewählten Cloud-Services. Bei einer genaueren Betrachtung lassen sich die Gründe jedoch oftmals auf einen gemeinsamen Nenner reduzieren: schwache oder fehlerhafte Planung. (Bild: Netwrix Research)

Zusammenfassung – bis hierher

Cloud-Services haben sich inzwischen als ein fester Bestandteil des IT-Portfoliomanagements etabliert. Sei es im Mittelstand oder im Konzern, wo Cloud Computing ein operatives und strategisches Sourcing-Element ist. Oder sei es im Ein-Mann-Einzelkämpferunternehmen oder Kleinbetrieb, wo die Cloud (indirekt) durch moderne Geschäftsanwendungen genutzt wird. Auch wenn Cloud Computing eine der noch immer am häufigsten missverstandenen, aber gleichzeitig wertvollen Innovationen in der aktuellen IT- und Geschäftsstrategie ist, hat sich die Einstellung gegenüber der Cloud in den vergangenen zehn Jahren ebenso verändert wie die Reife und die Tiefe der heute verfügbaren Dienste und das daraus entstehende Potenzial.

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Schwarz auf Weiß
Dieser Beitrag ist zuerst in unserer Magazin­reihe „Rechen­zentren und Infra­struktur“ als Beilage zur iX erschienen. Einen Über­blick mit freien Down­load-Links zu sämt­lichen Einzel­heften bekommen Sie online im Presse­zentrum des MittelstandsWiki.

Die Zeiten, in denen Unternehmen Cloud Services in erster Linie als Mittel zur Erweiterung der Infrastruktur betrachteten, sind schon länger vorbei. Cloud ist gegenwärtig eine Schlüsselressource für eine moderne Unternehmensausrichtung. Die Herausforderung liegt also darin, Lösungen für Probleme bzw. Anforderungen auszuwählen, die den derzeitigen und zukünftigen Bedarfen im Unternehmen gerecht werden. Hierbei gilt es, die Modernisierung der Rechenzentrumstechnologie, die Automatisierung von IT-Prozessen und eine Transformation der Unternehmensdynamik zu ermöglichen. Wichtig dabei ist die Erkenntnis, dass Cloud Computing kein statisches Modell ist. Der Erfolg hängt von der Fähigkeit ab, sich weiterzuentwickeln. Stichworte sind hier nicht nur Agilität, Flexibilität, sondern auch die Fähigkeit, Gestaltungsspielräume optimiert zu nutzen.

Dabei haben Unternehmen im Rahmen ihres IT-Betriebskonzepts grundsätzlich drei Handlungsspielräume. Nämlich die IT-Transformation

  1. komplett eigenständig zu realisieren,
  2. sie komplett an einen Sourcing-Anbieter abzugeben oder
  3. sie teils in einem Selfservice-Modell, teils durch einen (Managed-)Service-Provider zu realisieren.

In Bezug auf das IT-Portfoliomanagement – also die Cloud-Modelle und die Cloud-Bereitstellung – bestehen regelmäßig drei Optionen:

  1. die Beschaffung und Nutzung aller Cloud-Ressourcen von nur einem Lieferanten (einem Hyperscaler),
  2. der parallele Bezug der Cloud-Ressourcen bei mehreren Anbietern für gleiche oder unterschiedliche Workloads, die zwar integriert, aber nicht in einer zusammenhängenden Architektur umgesetzt werden („unechte Multicloud“) sowie
  3. der parallele Bezug der Cloud-Ressourcen bei mehreren Anbietern für gleiche oder unterschiedliche Workloads, bei denen sämtliche Cloud-Ressourcen über eine (einzige) Verwaltungsschnittstelle orchestriert werden (Multicloud)
Serie: DSGVO-konformes Cloud Computing
Teil 1 beginnt dort, wo der Daten­schutz am wichtigsten ist: bei den Auftrags­daten­verarbeitern für Kommunen. Dabei geht es auch gleich um die zentralen Vorgaben. Teil 2 nimmt sich dann den deutschen Norden und Osten vor, um zu prüfen, welche Rechen­zentren sich dort anbieten. Teil 3 berichtet mitten aus dem Digitalisierungskessel an Rhein und Ruhr, Teil 4 sichtet die Lage im deutschen Südwesten. Auch ein Ausblick auf Österreich ist bereits online, ebenso eine Vorschau auf das Projekt Gaia-X, das namentlich für den Mittelstand interessant sein könnte. Weitere Regional­reports sind in Vorbereitung.

Die richtige Cloud-Strategie

Kommen wir zur Beantwortung der Frage vom Anfang: Was macht für Sie die richtige Cloud-Strategie aus? Haben Sie Ihre Meinung mittlerweile geändert oder wurde ihre Meinung gefestigt? Oder habe ich Sie mit den ganzen Zahlen, Studien und Einschätzungen verloren?

So oder so, hier ist die Antwort: Die richtige Cloud-Strategie geht von der Überzeugung aus, dass es keine richtige Cloud-Strategie gibt; dass es keine geben kann. Jedenfalls nicht für eine längere Zeit. Nicht bezogen auf einen Zeitraum, sondern höchstens auf einen Zeitpunkt. Einerseits ändert sich der Markt mit einer unfassbar brutalen Geschwindigkeit. Andererseits ändern sich die Anforderungen der einzelnen Unternehmen gleichfalls in einer atemberaubenden Geschwindigkeit.

Es gibt keine universelle Lösung für die Auswahl des richtigen Cloud-Anbieters, der idealen Plattformen bzw. des idealen Service-Providers. Alles ist flüchtig. Die jeweilige Cloud-Lösung wird immer eine individuelle sein müssen, damit sie auf die Bedarfe im Unternehmen zugeschnitten sein kann. Es gibt maximal die zu einem jeweils definierten Zeitpunkt, für ein definiertes Problem oder eine definierte Aufgabe optimierte Lösung.

Diese Situation bedingt, dass Unternehmen den Modernisierungspfad immer schneller beschreiten müssen. Die Tatsache, dass Cloud Services, hier insbesondere aus der Public Cloud, Konsumptionsressourcen, also sich verbrauchende Wirtschaftsgüter sind, verschärft die Situation: Es kann zu einem Konsumptionsdilemma kommen. Nämlich dann, wenn der Produktivitätsgewinn, insbesondere in den Bereichen Produktions- und Organisationsbereiche, und/oder das Nachfragewachstum die Ausgaben für die IT-Transformationen, also die Investitionen in Cloud & Co., nicht mehr zurückbringen können. Dies wiederum bedeutet das Ende des Modernisierungspfads. Etwas direkter, nicht so durch die Blume gesprochen: Die Schnittmenge (bzw. Schnittstelle) zwischen Technik und Ökonomie ist eng; und wird immer enger. Insbesondere dann, wenn die Entwicklung der Nachfrage nicht mit der gesteigerten wirtschaftlichen Produktivität Schritt hält.

Und noch einfacher: Nachfrage hält nicht mit Produktivitätssteigerung mit. Kapital transformiert Produktivität. Kapital transformiert Märkte. Kapital erzeugt neue Geschäftsmodelle. Neue Geschäftsmodelle bedingen Digitalisierung. Digitalisierung bedingt Cloud. Cloud verändert Unternehmen. Unternehmen ändert Marktauftritt. Marktauftritt verändert Markt. Digitalisierung verändert Markt. Markt verändert Konsum. Klappe zu. Affe tot.

Thema: Digitalisierung
Eine Einführung macht mit Chancen und Risiken vertraut; dazu gibt es gleich die ersten Beispiele: Otto in Hamburg, Lufthansa Technik und Viessmann in Berlin. Danach geht der Blick Richtung Nordrhein-Westfalen zu Henkel und Grohe, aber auch zu Hidden Champions wie der Harting-Gruppe. In Bayern sind Jungheinrich, die Wenzel Group, Lamilux und natürlich KUKA gute Beispiele, in Baden-Württemberg Firmen wie Festo und Trumpf. Der Blick über den Tellerrand nach Österreich zeigt, dass dort Namen wie Erema, Radel & Hahn und LiSEC, aber auch Red Bull digital erfolgreich unterwegs sind. Auf die Chancen der Digitalisierung geht dann Matthias Meyer genauer ein, der Beispiele aus den Bereichen Big Data, Augmented und Virtual Reality sowie Open Innovation nennt. Eher in Richtung Disruption geht das Digitalisierungsinterview, das wir mit Andreas Franken geführt haben; mit ihm haben wir außerdem über die Folgen für den Arbeitsmarkt gesprochen. Weitere Gastbeiträge behandeln das Thema aus der Perspektive von Marketing und Vertrieb, Kundendienst, Logistik, Baubranche und Gastronomie sowie Kommunikationstechnologie. Nicht zuletzt stehen auch die Digitalisierung der Energiewende und der öffentlichen Verwaltung an.

Zusammenfassung – bis hierher

„Cloud“ ist ein allgegenwärtiger Begriff, wie „Netzwerk“ oder „Storage“, wie „Coca-Cola“ oder „McDonald’s“. So setzen mittlerweile viele moderne Geschäftsanwendungen die Nutzung einer Public Cloud als gemeinsames Element voraus. Während viele Unternehmen bereits umfassende Erfahrungen gesammelt haben, sind andere Organisationen erst am Anfang. Jeder muss seinen Weg selbst gehen. Der Umstieg von traditionellen Non-Cloud-IT-Infrastrukturen auf Cloud-Infrastrukturen ist wie der Umstieg von einem Sklavenmarkt auf einen Arbeitsmarkt. Gekauft wird die benötigte Arbeitskraft (Netzwerk, Storage, Compute-Power) nicht mehr „am Stück“, sondern „scheibchenweise“. Aber zu welchem Preis? Dass aus dem vermeintlichen Arbeitsmarkt doch ein Sklavenmarkt wird. Fragezeichen. Ausrufezeichen.

Der Weg zur richtigen Cloud-Strategie

Da dieser Text natürlich nicht so ehrlich und traurig enden darf und das Leben voller Widersprüche ist, doch noch einige Tipps für die richtige Cloud-Strategie. Wenn es um eine Cloud-Strategie geht, dann geht es um den „Flow“. Ohne „Flow“ keine gute Strategie. Eine gute Cloud-Strategie beginnt beim „Ziel“ und endet bei der Identifikation und Bestimmung der „Erfolgsvoraussetzungen und Schlüsselmaßnahmen“. Wenn Sie also über Ihren persönlichen Flow nachdenken, dann besteht die Aufgabe im Tink Big, darin, „groß zu denken“, was Ihre Geschäfts-, Technologie- und Cloud-Ziele angeht. Überlegen Sie dann, wie sie schließlich mit klar definierten „kleinen“ Schritten zum Ziel kommen.

Das Ziel kann exemplarisch der primäre Grund für den Umstieg Ihres Unternehmens in die Cloud sein. Es sollte eine idealistische Motivation widerspiegeln, einen solchen Schritt zu machen; einen solchen Weg zu gehen. Eine Leitfrage wäre: „Warum überlege ich, in die Cloud zu wechseln?“. Häufige Antwort (Achtung Spoiler!): „Um die Geschwindigkeit und Agilität unserer IT-Organisation zu erhöhen.“ Die nächste Frage beschäftigt sich dann mit den Geschäftsanforderungen und den Herausforderungen des Unternehmens (Anmerkung: oft auch als Unternehmensziel beschrieben). Darauf aufbauend die Frage: Welche technologischen Herausforderungen schränken meine Möglichkeiten zur Erreichung der Unternehmensziele ein? Hier geht es um Punkte wie mangelnde digitale Leistungsfähigkeit im Unternehmen, regulatorische Vorgaben, Anwendungssicherheit etc. Und abschließend die Frage: Wie sieht der zukünftig gewünschte Technologieeinsatz zur Förderung der Unternehmensziele aus?

Erstellen Sie nun eine Übersicht über Ihr IT-Portfolio. Vielleicht aufgeteilt nach großen Unternehmens- oder Web-Anwendungen, nach kritischen Anwendungen, nach Performance (Anwendungen, die schlecht laufen), danach, wie stark die Weiterentwicklung der Anwendungen ist (bzw. wie statisch diese sind). Und so weiter.

Wir haben bis jetzt Ziele definiert, die Ist-Situation erfasst. Nun ist es an der Zeit, die drei bis fünf wichtigsten ersten Schritte zu fixieren. Unter Berücksichtigung von Schwierigkeiten, Kosten – bzw. besser Kosten und Nutzen – sowie der oben skizzierten Optionen erfolgt dann ein High-Level-Business-Case. Weitere zentrale strategische Punkte: Mitarbeiter, Prozesse und Kultur. Die Frage: Was müssen wir machen, um die Planungen zu realisieren. Dann folgt die Umsetzung. Und dann die neue Planung.

Zusammenfassung

Eine richtig gute Cloud-Strategie besteht aus vier Komponenten:

  1. Eat.
  2. Move.
  3. Shit.
  4. Repeat.
Axel Oppermann 2013.jpg
Axel Oppermann berät seit über 17 Jahren als IT-Markt­analyst Technologie­unternehmen in Strategie- und Marketing-Fragen. Er arbeitet beim Beratungs- und Analysten­haus Avispador, schreibt für diverse Blogs, Portale, Fach­zeitschriften und kommentiert in diversen Bewegt­bild­formaten aktuelle Themen sowie den Markt. Als Gesprächs­partner für Journalisten und Innovatoren bringt Axel erfrischend neue Ansichten über das Geschehen der digITal-Industrie in die Diskussion ein. Seine viel­fältigen Erkenntnisse gibt Axel in seinen kontroversen, aber immer humor­vollen Vorträgen, Seminaren, Work­shops und Trainings weiter. Seine Themen: Digital & darüber hinaus.

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