Vorschau auf die TWENTY2X

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Digitaltechnologien mit Business-Perspektive

© Deutsche Messe

Von Dirk Bongardt

Digitale Themen bestimmen den März in Hannover mindestens seit 1986. Damals fand in den Messehallen der niedersächsischen Landeshauptstadt die erste CeBIT statt, und sie hielt sich dort immerhin bis 2017, bevor die Ausrichter sie erst in den Sommer verlegten und dann den Stecker zogen. Jetzt zeigt sich eine neue Digitalmesse im Märzfenster – allerdings mit einem völlig anderen Gesicht.

Terminverschiebung
Bitte beachten Sie: Die Deutsche Messe hat den Start der TWENTY2X verschoben, da die derzeitigen Auflagen zur Gesundheitssicherung „kurzfristig nicht realisierbar“ seien. Der neue Termin ist nun der 23.–25. Juni 2020.

Wer einen neuen Aufguss des alten Konzepts befürchtet, wird in mehr als einer Hinsicht Erleichterung empfinden: Weder richtet sich die TWENTY2X an „alle“ noch beansprucht sie, den gesamten IT-Markt abzudecken. Mit zwei Hallen, drei Messetagen in der Mitte der Woche und sechs Themenschwerpunkten ist die TWENTY2X kompakt. Zu ihrem Konzept gehört ein nicht ganz schmaler, aber klarer Fokus: IT-Technologien und deren Einsatzmöglichkeiten in den unterschiedlichen Geschäftsprozessen zur Digitalisierung des Mittelstands. Entscheider aus kleinen und mittelständischen Unternehmen der DACH-Region bilden das Zielpublikum, speziell mittelständische IT-Unternehmen will die Messe auch als Aussteller gewinnen.

Die Wahl der Partner, die für das neue Messekonzept gewonnen werden konnten, unterstreicht diese Fokussierung: Der Bundesverband IT-Mittelstand BITMi ist mit an Bord, ebenso der Verband der Internetwirtschaft eco und der Bundesverband der IT-Anwender VOICE. Zu den Partnern gehören außerdem der Bundesverband mittelständische Wirtschaft BVMW und der Bundesverband Deutsche Startups BVDS. Insbesondere drei Anwenderbranchen stehen im März 2020 im Fokus: öffentliche Verwaltung, Mobilität der Zukunft und Finanzdienstleistungen, also Branchen, die besonders stark von der digitalen Transformation betroffen sind und ebenso besonders von ihr profitieren können.

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Alles außer statisch – die neuen Formate

Zum Konzept der TWENTY2X gehören nicht bloß statische Messestände, an denen die Besucher sich über die Produkte und Leistungen der jeweiligen Aussteller informieren und bei mehr Interesse Visitenkarten hinterlassen können. Auf dem Zettel haben die Ausrichter auch eine ganze Reihe neuer oder neu gedachter Formate, die einen kurzweiligen Messebesuch versprechen:

IT-Battles

Bis zu acht Aussteller treten in diesem Battles gegeneinander an und haben in drei Runden zu je fünf Minuten die Möglichkeit, ihre jeweiligen Lösungen zu einer vorgegebenen Aufgabenstellung zu präsentieren. Den Sieger jedes Battles küren die Besucher. Per Live-Voting benennen sie dazu das Unternehmen, das die aus ihrer individuellen Sicht überzeugendste Lösung präsentiert hat.

Best Practice Sessions

Hier stellen Anwender gemeinsam mit den IT-Unternehmen, die sie bei der Lösung unterstützt haben, erfolgreich umgesetzte Digitalisierungsprojekte vor. Dabei, so die Ankündigung, sollen sie nicht nur das Ergebnis präsentieren, sondern auch den eingeschlagenen Weg dorthin skizzieren. Besucher, die vor vergleichbaren Digitalisierungsprojekten stehen, sollen damit wertvolle Einblicke und Denkanstöße erhalten.

Thema: Digitalisierung
Eine Einführung macht mit Chancen und Risiken vertraut; dazu gibt es gleich die ersten Beispiele: Otto in Hamburg, Lufthansa Technik und Viessmann in Berlin. Danach geht der Blick Richtung Nordrhein-Westfalen zu Henkel und Grohe, aber auch zu Hidden Champions wie der Harting-Gruppe. In Bayern sind Jungheinrich, die Wenzel Group, Lamilux und natürlich KUKA gute Beispiele, in Baden-Württemberg Firmen wie Festo und Trumpf. Der Blick über den Tellerrand nach Österreich zeigt, dass dort Namen wie Erema, Radel & Hahn und LiSEC, aber auch Red Bull digital erfolgreich unterwegs sind. Auf die Chancen der Digitalisierung geht dann Matthias Meyer genauer ein, der Beispiele aus den Bereichen Big Data, Augmented und Virtual Reality sowie Open Innovation nennt. Eher in Richtung Disruption geht das Digitalisierungsinterview, das wir mit Andreas Franken geführt haben; mit ihm haben wir außerdem über die Folgen für den Arbeitsmarkt gesprochen. Weitere Gastbeiträge behandeln das Thema aus der Perspektive von Marketing und Vertrieb, Kundendienst, Logistik, Baubranche und Gastronomie sowie Kommunikationstechnologie. Nicht zuletzt stehen auch die Digitalisierung der Energiewende und der öffentlichen Verwaltung an.

Working Lunch

Bei diesem Format laden Aussteller Interessenten zum Mittagessen ein und nutzen die Gelegenheit zu einer Produktpräsentation, einem Expertengespräch oder stellen eine bereits bei einem anderen Kunden eingeführte Lösung vor. Besucher sollten sich allerdings rechtzeitig für die Teilnahme bewerben, die Plätze werden naturgemäß begrenzt sein.

Ideenschmiede Plattformökonomie

Auch für diese vierstündigen Intensiv-Workshops ist eine Vorab-Registrierung erforderlich. Hier erarbeiten Besucher gemeinsam mit Experten und Ausstellern in einem separaten Meeting-Raum Internet- und plattformbasierte Geschäftsmodelle.

Speed Dating

Hier treffen Start-ups und etablierte Unternehmen auf Besucher aus mittelständischen Unternehmen. In der Mittelstands-Lounge treffen sich die Teilnehmer messetäglich zu zwei themenspezifischen Dating-Sessions. Je Session können 20 Personen (je zehn auf der Anbieter- und auf der Anwenderseite) teilnehmen. Alle Teilnehmer bereiten im Vorfeld ein Kurzprofil vor, das dann vor Ort ausgetauscht wird und als Follow-up-Basis dient.

TWENTY2X auf einen Blick

TWENTY2X.jpg
  • Wann? 23.–25. Juni 2020
  • Wo? Messegelände Hannover, Convention Center, Hallen 7 und 8
  • Was? Branchenübergreifendes Messeformat mit intelligenten IT-Lösungen für Mittelständler und Start-ups; dynamische Mischung aus Ausstellung, begleitender Konferenz und Networking
  • Welche Themen? Business Management, New Tech & Startups, New Work, Public & Administration, Security Solutions, Sourcing Services

TWENTY2X, Deutsche Messe, Messegelände, 30521 Hannover, Tel.: 051189-0, info@messe.de, www.twenty2x.de (Bild: Deutsche Messe)

New Business – die Themenschwerpunkte

Inhaltlich orientieren sich die Ausstellungsthemen der TWENTY2X stärker auf den Business-Aspekt von Informationstechnologie, als es die Cebit je getan hat. Das entspricht dem gegenwärtigen Verständnis der IT-Abteilung, die als „Enabler“ in enger Kooperation mit der Geschäftsführung gesehen wird. Das wiederum setzt auf beiden Seiten ein Verständnis für die Ziele und Notwendigkeitn von IT repspektive Management voraus.

Business Management

Hier finden interessierte Besucher Informationen zu Datenmanagement und Analyse, erfahren, wie Verfahren der künstlichen Intelligenz sie im Geschäftsalltag unterstützen können oder informieren sich über neue Trends bei CRM- oder ERP-Systemen. Cloud Computing, Speichersysteme oder die Möglichkeiten der 5G-Technologie haben im Bereich Business Management ebenfalls ihren Platz.

New Tech & Startups

Neueste Technologien – von Augmented Reality bis zu 5G-basierten Mobilitätslösungen – und wie sie zeitnah implementiert werden können, spielen im Schwerpunktthema New Tech & Startups die Hauptrolle. Hier sollen sich Mittelständler und Gründer mit Tech-Entscheidern und Zukunftsforschern über konkrete Lösungen und Anwendungsbeispiele austauschen.

New Work

Mitarbeiter erwarten von ihren Arbeitgebern zunehmend Flexibilität, sowohl wenn es um die Arbeitszeiten, als auch wenn es um die Orte geht, an denen die Arbeit zu verrichten ist. Kommunikation, Workplace Systems, Conferencing-Systeme und allgemein Lösungen für mittelständische Unternehmen, die ihren Mitarbeitern entsprechende Möglichkeiten bieten wollen, stehen im Mittelpunkt des Schwerpunkts New Work.

Public Administration

Beim Schwerpunkt Public Administration sollen sich Verwaltung, Politik, Digitalwirtschaft, Verbände und Wissenschaft zu Themen rund um die Digitalisierung im öffentlichen Sektor austauschen. Dazu gehören Dokumentenmanagement, kommunale IT-Infrastruktur oder E-Government-Lösungen. Dass in diesem Zweig gehöriges Wachstumspotenzial steckt, zeigt die Entwicklung der Nürnberger KOMMUNALE.

Security Solutions

IT-Security gewinnt mit der digitalen Transformation, aber auch mit den strengen Vorgaben der Datenschutz-Grundverordnung immens an Bedeutung. Hier präsentieren Aussteller ihre Lösungen von der Blockchain über das Threat Management bis hin zu rechtssicheren Prozessen rund um den Schutz der Daten ihrer Kunden. Allerdings dürfte es die TWENTY2X auf dem Feld Security Solutions nicht leicht haben: Mit der secIT – ebenfalls in Hannover, ebenfalls im März – hat Heise gleich nach Cebit-Ende dieses Themenfeld kompetent besetzt.

Sourcing Services

ITK-Fachhandel, Distributoren und Systemhäuser stehen im Mittelpunkt des Sourcing-Services-Schwerpunkts. Besucher können sich Rat zur Beschaffung von ITK-Equipment einholen, komplette IT-Lösungen erarbeiten lassen oder sich über die Angebote auf Gebieten wie Software as a Service oder Infrastructure as a Service informieren.

Serie: Messestandorte
Teil 1 geht gleich einmal die Schwergewichte an: Berlin und Hannover, wo IFA und Hannover Messe sich um Aussteller und Besucher bewerben. Und was wird aus der Cebit? Eine Vorschau auf die erste TWENTY2X sagt, was der Nachfolger vorhat. Teil 2 blickt nach Bayern, wo die Nürnberger it-sa München ein ordentliches Stück vom IT-Kuchen weggeschnappt hat. In Augsburg könnte die Experience Additive Manufacturing etwas werden, und im Herbst stehen SPS und Heim+Handwerk an. Teil 3 setzt sich ins Auto und besucht die Messezentren Frankfurt am Main und Stuttgart, speziell die TechWeek im November. Teil 4 fährt weiter zur Westfalenhalle und sortiert die Messelandschaft in NRW. Österreich wiederum hat seinen Schwerpunkt klar in Wien, aber auch Innsbruck oder Salzburg bieten interessante Fachmessen und -kongresse. Als Extras gibt es noch einen Ratgeber Messeplanung für die CES in Las Vegas und eine Analyse der Möglichkeiten virtueller Messen.

Keynotes, Vorträge, Diskussionen – das Konferenzprogramm

Abwechslung verspricht auch das Konferenzprogramm der TWENTY2X: Referiert und diskutiert wird auf fünf Bühnen. Angekündigt sind hier neben vielen anderen auch bekannte Digitalexperten wie Sascha Lobo, Prof. DGunter Dueckr., Staatssekretär Stefan Muhle oder Dr.Michaela Regneri von der Otto GmbH. Die Sprecherinnen und Sprecher kommen aus Unternehmen der Digital Economy, aus anwendenden Unternehmen aller Größen, von Start-ups aller Branchen und aus Wissenschaft und Forschung. Inhaltlich spiegelt das Bühnenprogramm das oben skizzierte Themenspektrum, von CRM und Customer Centricity bis zu künstlicher Intelligenz und praktischen Sicherheitsfragen bei Windows 10. Das Tagesprogramm im Einzelnen ist mittlerweile online.

Zu den Diskussionen und Vorträgen gehören übrigens auch allabendliche Fuck-up Nights, ein Format, das in den letzten Jahren Fahrt aufgenommen hat. Hier erzählen Unternehmer einmal nicht ihre Erfolgsgeschichten, sondern berichten über ihre gescheiterten Vorhaben, ihre geplatzten Visionen und Ideen, die sich als unerreichbar herausstellten. Es sind allerdings keine gescheiterten Existenzen, aus deren Fehlern die Zuhörer lernen sollen, sondern oft gestandene, letztlich erfolgreiche Unternehmer, die den Mut hatten, Risiken einzugehen, und das Durchhaltevermögen, auch nach dem Scheitern weiterzumachen. Wer hier auf die Bühne treten wird, stand bei Abfassung dieses Beitrags allerdings noch nicht fest.

Fazit: Digitaltech als Event für den Mittelstand

Ob die TWENTY2X einlöst, was das Konzept verspricht, wird erst am Abend des 19. März zu beurteilen sein. An der guten alten Cebit wollen sich die Ausrichter auch dann nicht messen lassen. Zu anders ist die Perspektive der Messe, zu anders das Zielpublikum. Vergleichbar immerhin: Zuletzt wollten die Ausrichter der Cebit einen Event-Charakter verpassen. Bei der TWENTY2X gehört der bereits zur DNA.

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Dirk Bongardt hat vor Beginn seiner journalistischen Laufbahn zehn Jahre Erfahrung in verschiedenen Funktionen in Vertriebsabteilungen industrieller und mittelständischer Unternehmen gesammelt. Seit 2000 arbeitet er als freier Autor. Sein thematischer Schwerpunkt liegt auf praxisnahen Informationen rund um Gegenwarts- und Zukunftstechnologien, vorwiegend in den Bereichen Mobile und IT.


Dirk Bongardt, Tel.: 05262-6400216, mail@dirk-bongardt.de, netknowhow.de

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